Intro
von Ingo Salmen
Veröffentlicht am 09.10.2018
Dregger – das war in der alten Bundesrepublik ein Name wie ein Ausrufezeichen. Alfred Dregger, stramm konservativ, stand für alles, was rechts war in der CDU. Ein bisschen hat das auch auf seinen Sohn Burkard Dregger abgefärbt. So wie der Vater nach der „geistig-moralischen Wende“ 1982 Helmut Kohl als Vorsitzenden der Union im Bundestag beerbte, übernahm der 54-Jährige im Sommer 2018 den entsprechenden Posten bei der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus – als Wunschkandidat und Tandempartner der vergleichsweise liberalen Landesvorsitzenden Monika Grütters, der den konservativen Teil der Wählerschaft ansprechen soll. Den Kürzeren zog bekanntlich Mario Czaja. Von der anderen Partei auf der rechten Seite hat Dregger sich übrigens deutlich abgegrenzt: Sein Vater, schrieb er 2016 in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel, hätte die AfD „angegriffen“.
Dieser Burkard Dregger besucht jetzt Marzahn-Hellersdorf: die Heimat seines Vizes Mario Czaja, den Wahlkreis seiner Parteichefin Monika Grütters und den Bezirk, in dem die AfD besonders stark ist. Und zwar auf Einladung der SPD. Dregger ist Gast eines Stadtteiltages des Kaulsdorfer Abgeordneten Sven Kohlmeier an diesem Donnerstag, 11. Oktober. Ab 18.30 Uhr diskutieren die beiden Kontrahenten über gemeinsame Probleme und einen gemeinsamen Gegner. „Volksparteien vs. ‚Neue Rechte‘ – vom Regen in die Traufe?“ ist die Veranstaltung in der Gemeinde St. Martin, Giesestraße/Ecke Nentwigstraße, überschrieben. Die Leitfragen: „Wer braucht sie noch, die Volksparteien? Haben sie ausgedient? Wie geht es dann weiter mit unserer Demokratie?“
Die politische Paarung ist nicht so ungewöhnlich, wie sie scheint. Kohlmeier, ein Rechtsanwalt wie Dregger, war nach der Berlinwahl 2016 der erste Sozialdemokrat, der schonungslos das schwache Abschneiden seiner Partei und das starke Ergebnis der AfD analysierte. Und die SPD im Bezirk hat sich in letzter Zeit, so wie die CDU in Berlin es Dregger zugedacht hat, vermehrt mit Sicherheitsthemen zu profilieren versucht. Der jüngste Antrag: Das Bezirksamt sollte die Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes für das Umfeld von Bahnhöfen anstoßen, was jedoch im Ausschuss am vergangenen Donnerstag keine Mehrheit bekam. CDU-Stadtrat Johnnes Martin, dem das Ordnungsamt untersteht, hat solche und ähnliche Forderungen in der Vergangenheit schon mehrfach mit dem Hinweis abgebügelt, er sei nicht so etwas wie ein Stadtrat für Innere Sicherheit. Das sei doch bitteschön Sache des SPD-Innensenators Andreas Geisel. Was Burkard Dregger wohl dazu sagt?
P.S.: Dregger hat jüngst übrigens angeregt, den Großen Stern nach Helmut Kohl zu benennen.
Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de