Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 02.03.2018

wie die Verdrängung von Mietern ablaufen kann, habe ich in meiner Nachbarschaft erlebt, als in der Sächsischen Straße ein schlichtes Gebäude aus der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Neue Eigentümer hatten einen Gutachter beauftragt, der dem Altbau so viele Mängel bescheinigte, dass eine Sanierung nicht finanzierbar sei. Inzwischen stehen luxuriöse Eigentumswohnungen an gleicher Stelle. Solche Entwicklungen wollen Wilmersdorfer Anwohner nun stoppen, indem sie Unterschriften für ein Milieuschutzgebiet sammeln.

Der Bürgerinitiative Quartier Fasanenplatz geht es um vier Bereiche rund um die Schaperstraße, den Ludwigkirchplatz, den Nikolsburger Platz und den Prager Platz. Das Gebiet würde westlich bis zur Uhland- und der Sächsischen Straße reichen, im Osten bis zur Bamberger Straße, im Norden bis zur Lietzenburger Straße und im Süden bis zu Teilen der Berliner Straße. Mit einem Milieuschutz wären Abrisse dort künftig genehmigungspflichtig und Luxussanierungen in der Regel verboten.

„Die Mietpreisbremse funktioniert nicht, und die Politiker tun nichts für die Kiezstruktur“, sagen Peter Gnielczyk und Jasmin Dulic von der Bürgerinitiative. In eine Karte haben sie viele Stellen eingezeichnet, wo Häuser entmietet wurden, vor dem Abriss stehen oder bereits Neubauten gewichen sind. Bei der soeben gestarteten Unterschriftensammlung geht es um mindestens 1000 Stimmen für einen Einwohnerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung. Wer aktiv bei der Sammlung mitmachen will, kann sich ein Formular zusenden lassen (per E-Mail an bi-fasanenplatz@gmx.de). Der Antrag hätte nicht die Bedeutung eines Bürgerbegehrens, aber die BVV müsste darüber diskutieren und abstimmen.

Bisher hat der Bezirk zwei neue Milieuschutzgebiete am Gierkeplatz und auf der Mierendorffinsel beschlossen. Ein drittes ist im Klausenerplatz-Kiez geplant, wo Bürger ebenfalls Unterschriften gesammelt haben. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) begrüßt auch den neuen Vorstoß. Bis zum Sommer wolle das Bezirkamt ohnehin mit einem „Grobscreening“ prüfen, in welchen Gebieten noch Milieuschutz ausgewiesen werden kann.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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