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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 04.05.2018

ich kann kaum noch zählen, wie oft wir mehr als 15 Jahre lang über den Streit um Neugestaltungen des Ku’damm-Karrees berichtet haben. In der Regel standen die historischen Ku’damm-Bühnen im Vordergrund. Über deren Abrissparty am 26. Mai können Sie weiter unten in den Kulturmeldungen mehr lesen. Am Donnerstag unterzeichnete Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) einen städtebaulichen Vertrag mit der Investorenfirma Cells. Ist damit alles geklärt? Leider nicht, denn nun scheint die Erlebnisausstellung „The Story of Berlin“ gefährdet.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte schon vor einiger Zeit gefordert, den Umbau des Karrees nur zu genehmigen, wenn die 1999 eröffnete Schau mit dem alten Atomschutzbunker bleiben darf. Sie zieht jährlich im Durchschnitt rund 250.000 Besucher an, vor allem Schulklassen aus aller Welt. Wegen dieses Erfolges kündigte Cells an, die „Story of Berlin“ ins neue Karree zu integrieren. Die Verhandlungen über einen 20-jährigen neuen Mietvertrag sind aber erst einmal gescheitert.

Dabei geht es um die Miethöhe und Umzugskosten. Künftig soll die Ausstellung nur noch im Atombunker zu sehen sein. Alle andere Räume will Cells neu vermieten. Ein oberirdisches Ersatz-Foyer ist an der Uhlandstraße geplant.

Die Schuld an der geplatzten Einigung weist Stadtrat Schruoffeneger der „Story of Berlin“ zu. Unter der Leitung von Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und zusammen mit Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (beide SPD) verhandelte er mit beiden Seiten. Die Ausstellungsmacher seien „nicht bereit, auch nur einen Cent in das Vorhaben einzubringen“, kritisiert Schruoffeneger. Außerdem hätten es die drei Chefs abgelehnt, ihre Einnahmen und Ausgaben „transparent“ zu machen. Es gebe keine Rücklagen. Der Baustadtrat erweckte im BVV-Stadtentwicklungsausschuss sogar den Eindruck, dass die Geschäftsführer zu viel Geld für sich selbst abzweigen. Jetzt „bleibt die Trägerschaft des Museums offen“.

Der Vertrag mit den Investoren beinhaltet zwar eine „Erlebnisausstellung“ zur Stadtgeschichte, schreibt aber nicht vor, wer diese betreibt. Bernhard Schütte, maßgeblicher Geschäftsführer der „Story of Berlin“, nennt Schruoffenegers Vorwürfe „ungeheuerlich“. Er habe einem schriftlichen Kompromissvorschlag der Bezirksamtsvertreter zugestimmt. Demnach sollte die GmbH in eine gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt werden. Dann aber habe der Vermieter wegen des Streits ums Geld abgelehnt.

Und nun? Noch öffnet das Museum ganz normal samt Bunker. Cells hat den Vertrag zum 31. Oktober 2018 gekündigt. Ich selbst habe mich mehrmals von Schütte und seinem Team durch die sehenswerten Dauer- und Sonderausstellungen führen lassen. Ob und wie ein neuer Betreiber eine vergleichbare Sammlung aufbauen könnte, scheint mir fraglich. Besser wäre es sicherlich, wenn doch noch ein Kompromiss erzielt würde.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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