Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 20.07.2018

„L’état, c’est moi“ (Der Staat bin ich), heißt eine alte französische Redewendung, die zumeist König Ludwig XIV. zugeschrieben wird, wenn auch wohl fälschlicherweise. Im Rathaus Charlottenburg könnte Stadtrat Arne Herz derzeit sagen: Das Bezirksamt bin ich. Normalerweise ist der CDU-Politiker verantwortlich für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten. Doch in den ersten Ferienwochen führt er auch alle Ressorts seiner vier abwesenden Kollegen und ist damit eine Art Super-Stadtrat. Herz beklagt sich nicht darüber, bleibt humorvoll und nimmt die Zusatzbelastung eher sportlich.

Verstärkung bekommt er in zwei Wochen, wenn die verreiste SPD-Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (zuständig für Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur) zurückkehrt. In drei bis vier Wochen endet auch der Urlaub von Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) und Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Eigentlich sollen stets mindestens zwei Bezirksamtsmitglieder anwesend sein. Doch Carsten Engelmann (CDU), Vize-Bürgermeister und Stadtrat für Soziales und Gesundheit, ist schwer erkrankt. Ob und wann er sein Amt wieder aufnehmen kann, wissen seine Kollegen nicht.

Im weiteren Wortsinn besteht das Bezirksamt natürlich nicht nur aus fünf Personen, sondern aus der ganzen Verwaltung. Deren Angestellte und Beamte arbeiten den gewählten Amtsträgern viel zu. Trotzdem kann sich ein einzelner Stadtrat nie in sämtlichen Bereichen wirklich gut auskennen.

Sollten Sie gerade Wünsche und Beschwerden haben, die Sie „ganz oben“ in den Ämtern zur Sprache bringen wollen, ist deshalb wohl etwas Geduld ratsam. Oder Sie senden den verreisten Stadträten ein Schreiben zur späteren Lektüre.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de.

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