Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 27.07.2018

viele Bankfilialen wurden schon geschlossen mit dem Argument, dass Online-Banking im Trend liege. Immer öfter können Kunden, die Bargeld brauchen oder keinen Zahlungsverkehr über das Internet betreiben wollen, aber nicht mal mehr Geldautomaten in ihrer Nähe rund um die Uhr nutzen. Beispielsweise sind die Postbank-Vorräume in der Joachimsthaler Straße am Bahnhof Zoo oder in der Bleibtreustraße an der Ecke zum Ku’damm außerhalb der Fillialöffnungszeiten gesperrt. In solchen Fällen ist stets von  „Vandalismus“ die Rede. Gemeint sind aber meistens nicht Randalierer, sondern Obdachlose, die in den Automatenräumen übernachten.

Über einen aktuellen Fall beschwert sich Helmut Döring, Vize-Vorsitzender der IG Kaiserdamm und Seniorchef des Traditionsgeschäfts Eisen Döring: „Klammheimlich verabschiedet sich die Berliner Volksbank vom Kaiserdamm 105“. Der SB-Bereich mit zwei Geldautomaten, einem Automaten für Überweisungen und einem Kontoauszugsdrucker werde offenbar geschlossen, weil „übelriechende Obdachlose die vornehmen Kaiserdamm-Kunden belästigten“. Ab dem 3. August soll es ersatzweise einen Geldautomaten an der Außenwand geben. Der Service beschränkt sich dann aber wohl auf Auszahlungen.

Der Vorraum sei oft „stark verschmutzt“ gewesen, argumentiert die Volksbank. „Es gab mehrfach Beschwerden unserer Kunden.“ In ganz Berlin „sind noch einige unserer SB-Standorte für den Kunden 24 Stunden zugänglich, während einige Standorte nachts geschlossen werden“. Die Deutsche Bank teilt mit: „Sicherheit und Sauberkeit haben hohe Priorität.“ Falls nötig, würden „SB-Zonen zu bestimmten Zeiten vorübergehend geschlossen“. Die Berliner Sparkasse sperrt in den Abend- und Nachtstunden derzeit 20 ihrer stadtweit 70 Räume mit Geldautomaten. Es gehe auch um Sachbeschädigungen, die nicht auf Obdachlose zurückzuführen sind, heißt es. „Unsere durchgehend geöffneten Räumlichkeiten werden regelmäßig durch unseren Wachschutz kontrolliert“, fügt ein Sprecher hinzu.

Morgens Urinlachen, Kot und Flaschen vorzufinden, sei „schon sehr ekelig“, sagte mir neulich ein Mitarbeiter der Postbank in der Joachimsthaler Straße. Da ist natürlich was dran. Andererseits verstehe ich, warum Wohnungslose die Selbstbedienungsräume für sich nutzen. Im Winter sind diese eine warme Zuflucht. Und außerdem schläft man unter der Kameraüberwachung vermutlich sicherer als draußen, wie der Brandanschlag auf Obdachlose vor dem S-Bahnhof Schöneweide in Treptow-Köpenick zeigt.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de.

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