Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 10.08.2018

weshalb gibt es eigentlich keine stationären Tempomessgeräte auf dem Kurfürstendamm, die Raser blitzen? Diese Frage stellen mehrere unserer Leser, nachdem wir gemeldet hatten, dass der Boulevard bei der Zahl illegaler Autorennen ganz vorne in Berlin liegt. Die rot-rot-grüne Koalition hat sogar Geld für stadtweit zehn neue Blitzer-Säulen bewilligt, die noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Doch der Ku’damm gehört nicht zu den von der Polizei ausgewählten Standorten.

Den Grund nennt der Leiter des polizeilichen Verkehrsstabs, Frank Schattling: Ausschlaggebend sei, ob es sich um einen Unfallschwerpunkt handele. Man stütze sich auf eine Datenbank mit langjährigen Unfallstatistiken. Auf dem Straßenzug Ku’damm und Tauentzienstraße gebe es keine auffällige Häufung. Eine Ausnahme war das tödliche Ende eines Wettrennens im Februar 2016, bei dem einer von zwei Rasern in das Auto eines unbeteiligten Rentners gekracht war und dieser starb.

Meistens dagegen sei „die Geschwindigkeit auf dem Ku’damm nicht das Problem“. Die Angeber in laut röhrenden Sportwagen – die Polizei spricht von „Profilierungsfahrern“ – seien nicht immer besonders schnell unterwegs. Unter Anrainern und Passanten entstehe durch die Lautstärke der Eindruck eines hohen Tempos. Tatsächlich aber genüge der (oft illegale) Umbau von Auspuffrohren, um schon bei zulässiger Geschwindigkeit einen Höllenlärm zu verursachen.

Abgesehen davon würde sich ein stationärer Blitzer in der Szene „schnell herumsprechen und die Wirkung verpuffen“, glaubt Schattling. Einer der geplanten zehn Standorte in Berlin liegt  in Charlottenburg-Wilmersdorf und gilt als Unfallschwerpunkt – die Kreuzung Kaiser- und Messedamm in Fahrtrichtung Theodor-Heuss-Platz.

P.S.: Auch im Tagesspiegel-Podcast „Fünf Minuten Berlin“ geht es um dieses und andere Themen aus der City West. Das Gespräch zwischen meiner Kollegin Ruth Ciesinger und mir können Sie unter diesem Link hören.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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