Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 17.08.2018

sie ist ein Berliner Wahrzeichen und ein Mahnmal für den Frieden, aber auch eine Dauerbaustelle: In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche bröckelt es immer wieder. Augenfällig wurde das zuletzt beim Sportfest zur Leichtathletik-EM auf dem Breitscheidplatz. Teile des sogenannten Podiums, auf dem die Kirchenbauten stehen, blieben wegen einer Sanierung der Bodenplatten gesperrt. In den Kirchensaal gelangte man nur über Nebeneingänge. Am neueren Glockenturm hingen Werbeplakate für die EM. Eingerüstet ist der Turm schon seit vier Jahren wegen Schäden an den Betonwaben.

Jetzt gibt es ein Gesamtkonzept für die Nutzung und Sanierung der Gedächtniskirche. Unter dem Titel „Perspektive 2023“ betont ein Beirat, den die Gemeinde zusammen mit dem  Deutschen Kulturrat einberufen hatte, es gehe um ein „Denkmal von nationaler Bedeutung“. Damit bestehe die Hoffnung auf Fördergelder aus verschiedenen Quellen. Allein die Glockenturmsanierung kostet schätzungsweise 4,7 Millionen Euro. Laut Pfarrer Martin Germer hat die Wüstenrot-Stiftung signalisiert, eine Million Euro beizusteuern. Doch für alle geplanten Baumaßnahmen kalkuliert der Beirat sogar mit rund 27,8 Millionen Euro.

Das Spannendste sind aber zwei Nutzungsideen, die früheren Anregungen von Pfarrer Germer entsprechen. Zum einen soll die Ausstellung in der Gedenkhalle unten in der alten Turmruine nach oben in die brachliegende Empore ausgedehnt werden. Um den Krieg und seine Folgen anschaulich für Besucher zu machen, „muss man ins Innere der Ruine reinkommen“, findet Germer.

Außerdem lebt der Vorschlag eines Kirchencafés in einem derzeit leer stehenden Nebengebäude, dem sogenannten Foyer, wieder auf. Bereits vor Jahren war Germer damit bei den Denkmalschutzämtern abgeblitzt, weil diese einen zusätzlichen Eingang in der von Egon Eiermann gestalteten Fassade ablehnten. Der Pfarrer ist zuversichtlich, dass eine andere Lösung gefunden werden kann oder die Ämter vielleicht doch noch einlenken.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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