Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 24.08.2018

über die scheinbar unendliche Geschichte um die frühere Abhörstation der Amerikaner und Briten auf dem Teufelsberg berichte ich nun schon seit 20 Jahren. Seitdem scheiterten sowohl der von den privaten Käufern geplante Bau von Luxuswohnungen und eines Hotels als auch weitere Projekte bis hin zur „Friedensuniversität“ der esoterischen Maharishi-Stiftung. Die Ruinen im Grunewald verfallen weiter  und seit Mai ist das Haupthaus wegen Brandschutzmängeln gesperrt.

Immerhin fordert die Bezirksverordnetenversammlung erneut, das Relikt des Kalten Kriegs zum Baudenkmal zu erklären. Westliche Spione hatten in der „Field Station Berlin“ den militärischen Funkverkehr in damaligen Ostblockstaaten belauscht. Ein SPD-Antrag für Denkmalschutz wurde am Mittwoch fast einstimmig vom bezirklichen Stadtentwicklungsausschuss angenommen. Es ist der zweite Anlauf nach einem BVV-Beschluss vor sechs Jahren. Nur Hans-Dieter Asbeck (AfD) votierte dagegen.

Aus dem Landesdenkmalamt heißt es: „Die Denkmaleigenschaft für die einstige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist bekannt und anerkannt.“ Nur sei „die Abstimmung aller beteiligten Ebenen noch nicht abgeschlossen“.

Zwei Bürgerinitiativen stellten dem Ausschuss ihre Ideen vor. Das Aktionsbündnis Teufelsberg will für eine Renaturierung alles außer dem größten Kuppelturm abreißen. In diesem könnten ein Museum und ein Café entstehen, sagte der Architekt Eckart Kuntzsch. Außerdem plädieren er und Hartmut Kenneweg, Ex-Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, für eine Vergrößerung des Bergs gemäß der ursprünglichen Pläne aus den 1950er Jahren. Als die Erhebung nach dem Zweiten Weltkrieg aus Häusertrümmern aufgeschüttet wurde, hatte der zuständige Landschaftsarchitekt Walter Rossow eine Höhe von 138 Metern angeregt. Tatsächlich misst der Berg 120 Meter.

Im Gegensatz zum Aktionsbündnis will die Initiative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg  mehrere Bauten erhalten und sanieren. Die Anlage sei mit bis zu 1500 Mitarbeitern „der Knotenpunkt der Abhöraktivitäten in Deutschland gewesen“, sagte der Künstler Richard Rabensaat, der Führungen über den Berg veranstaltet. Die Kenntnisse der Spione über Absichten des Ostblocks hätten eine Eskalation des Kalten Krieges verhindert und so auch die deutsche Wiedervereinigung ermöglicht.

Am Hauptproblem ändern alle guten Absichten jedoch nichts. Für neue Konzepte müsste Berlin die Bergspitze zurückkaufen. Dafür wäre wohl ein zweistelliger Millionenbetrag nötig, auch weil Hypotheken auf dem Grundstück lasten. Und so viel Geld wollen selbst viele Landespolitiker, die einen Rückerwerb grundsätzlich befürworten, nicht ausgeben.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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