Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 09.11.2018

wenn die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt so weitergeht, werden es sich künftig fast nur noch Gutverdienende und Reiche leisten können, in unserem Bezirk zu wohnen. Immer mehr Häuser mit preisgünstigen Wohnungen, darunter viele aus der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, werden zugunsten von Neubauten mit teuren Eigentumswohnungen abgerissen. Auch Luxusmodernisierungen oder die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen tragen zur sogenannten Gentrifizierung bei, die sich längst nicht mehr nur in Szenevierteln wie Kreuzberg oder Prenzlauer Berg abspielt. Wir laden Sie herzlich zur Podiumsdiskussion über diese und andere wohnungspolitische Themen ein.

Im Rahmen des stadtweiten RechercheprojektsWem gehört Berlin?“ von Tagesspiegel und Correctiv veranstalten wir öffentliche Gesprächsabende in den Bezirken. „Wem gehört Charlottenburg-Wilmersdorf?“, lautet die Frage am Donnerstag, den 22. November. Ab 19 Uhr diskutieren im BVV-Saal des Rathauses Charlottenburg an der Otto-Suhr-Allee 100 unter anderem Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sowie Vertreter der MieterWerkStadt Charlottenburg, des Berliner Mietervereins und des Eigentümerverbands Haus & Grund. Natürlich sollen auch Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, dort zu Wort kommen. Unter diesem Link können Sie sich anmelden. Den Abend moderiert der Autor dieses Newsletters, Cay Dobberke.

Die wachsende Bedeutung der Wohnungspolitik können Sie auch weiter unten in unserer Themenvorschau auf die nächste BVV-Sitzung erkennen. In verschiedenen Anträgen wenden sich Bezirksverordnete gegen Entmietungen. Und bereits für den 13. November veranstaltet das Bezirksamt, wie schon einmal gemeldet, einen Informationsabend zu den neuen Milieuschutzgebieten auf der Mierendorffinsel und rund um den Gierkeplatz ein (ab 19.30 Uhr im Festsaal des Rathauses).

Auch die Gegend um den Klausenerplatz soll zu einem „sozialen Erhaltungsgebiet“ (so die amtliche Bezeichnung) werden. Aber wann es dazu kommt, ist weiterhin unklar, wie die jüngste Sitzung des BVV-Stadtentwicklungsausschusses zeigte. Die MieterWerkStadt Charlottenburg hatte viele Unterschriften für den Milieuschutz gesammelt. Vor gut einem Jahr schloss sich die BVV-Mehrheit der Forderung an. Geschehen ist seitdem wenig. Das nötige neue Gutachten hat das Bauamt bisher nicht in Auftrag gegeben. Es fehlt auch Personal, um die Regeln gegen die Verdrängung von Mietern durchzusetzen. Die entsprechende Stelle wird wohl erst im Frühjahr besetzt. Der Ausschuss stimmte für einen SPD-Antrag, der das Amt zum schnellen Handeln auffordert. Immerhin kündigte Stadtrat Schruoffeneger gegenüber dem Tagesspiegel an, in voraussichtlich acht bis zehn Wochen einen „Aufstellungsbeschluss“ zu erlassen. Damit könnte die Verwaltung vorerst alle Bauanträge zurückstellen, die grundlegende Veränderungen in Mietshäusern zum Ziel haben.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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