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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 23.11.2018

Mehr als 140 Bürger kamen am Donnerstag zum Tagesspiegel-Diskussionsabend „Wem gehört Charlottenburg-Wilmersdorf?“ im Rathaus Charlottenburg, wo es um stark steigende steigende Mieten, den drohenden Verlust der eigenen Wohnung und die außergewöhnlich hohen Bodenpreise in der City West ging. Einen ausführlichen Bericht meiner Kollegin Ruth Ciesinger können Sie auf tagesspiegel.de lesen. Es war die dritte Veranstaltung im Rahmen des gemeinsamen Rechercheprojekts WemgehörtBerlin? von Tagesspiegel und Correctiv in einem der zwölf Berliner Bezirke.

Zu den interessantesten Neuigkeiten gehörte die Ankündigung von Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne), zusammen mit „alteingesessenen Vermietern und Gewerbetreibenden“ ein Bündnis „gegen Übernahme der Stadt von außen“ zu gründen. Eine Stiftung soll Eigentümern, die „zu normalen Preisen verkaufen möchten“, ab dem Sommer 2019 als Anlaufstelle dienen. Darüber hinaus überlegt der Stadtrat gemeinsam mit der AG City, ob und wie das im Wohnungsbau geltende „Berliner Modell“ auf Gewerbeflächen übertragen werden könnte. Damit würde auch bei neuen Projekten für Büro- und andere Geschäftshäuser ein bestimmter Prozentsatz an sozialem Wohnungsbau vorgeschrieben.

Aus aktuellem Anlass war Milieuschutz eines der Hauptthemen der Diskussion. Denn soeben hat die BVV einem Einwohnerantrag für das erste Milieuschutzgebiet im Ortsteil Wilmersdorf zugestimmt (mehr dazu steht weiter unten im Newsletter in unserer Rubrik „Namen & Neues“). Endlich vorangehen soll es auch beim Milieuschutz um den Klausenerplatz, der seit mehr als einem Jahr geplant ist. Im Dezember will das Bezirksamt einen Aufstellungsbeschluss erlassen. Damit tritt der Schutz vor Luxusmodernisierungen oder Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen zwar noch nicht in Kraft zumindest aber können Anträge von Vermietern, die den Zielen wiedersprechen, erst einmal zurückgestellt werden.

Am Klausenerplatz ging die Initiative von der MieterWerkStadt Charlottenburg aus. In unserer Diskussion stellte deren Vertreter Klaus Helmerichs allerdings klar, das Milieuschutz nicht genügt. Unter starkem Applaus forderte Helmerichs, „Immobilienfonds stärkeren Regeln zu unterwerfen“, weil sonst Häuser „immer nur zu Höchstpreisen weiter verkauft werden“.  Carsten Brückner vom Eigentümerverband „Haus und Grund“ sah in den wachsenden Miet- und Verkaufspreisen eine logische Folge der „positiven Entwicklung der Stadt“. Rainer Tietzsch, Vorsitzender des Berliner Mietervereins, betonte, der Mangel an günstigem Wohnraum lasse sich nicht durch Neubauten lösen. Im Bezirk sei Baugrund so teuer geworden, dass fast niemand mehr Mietwohnungen errichte.

Einen Gastbeitrag, den Stadtrat Schruoffeneger aus Anlass unserer Debatte schrieb, können Sie hier lesen.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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