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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 07.12.2018

sind weitere neue Hochhäuser in der City West sinnvoll  und wenn ja, an welchen Stellen? Auf diese Frage gibt es trotz jahrelanger Diskussionen keine klare Antwort, weil der angekündigte „Hochhausentwicklungsplan“ der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung weiterhin auf sich warten lässt. Mit dem Verweis darauf lehnt es Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) seit einigen Monaten ab, über Pläne von Investoren für neue Türme zu entscheiden. Nun verliert er die Geduld und will der Senatsverwaltung in einem Brief vorschlagen, dass der Bezirk ein eigenes Konzept erarbeitet. Dafür soll die Landesregierung finanzielle Mittel gewähren.

Dieser Vorstoß ist eine Folge der jüngsten Beratung des Baukollegiums Berlin über drei bis zu 150 Meter hohe Türme, die der Karstadt-Eigentümer Signa auf dem Gelände des Kaufhauses am Kurfürstendamm bauen will. Das von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geführte Expertengremium lehnte die Pläne ab. Der berühmte Boulevard sei „nicht die richtige Stelle“ für ein „Hochhaus-Cluster“, sagte Lüscher. Dabei wies sie auch auf fehlende Leitlinien in der westlichen Innenstadt hin was Schruoffeneger angesichts der Verzögerungen beim Hochhausentwicklungsplan „nicht mehr nachvollziehen“ kann. Die AG City kündigte unterdessen an, Signa „weiterhin zu unterstützen“. Das Unternehmen habe für das Karstadt-Areal eine „beeindruckende“ Nutzungsmischung mit Büros, Handel, Kultur und Freizeitangeboten vorgeschlagen.

Die neueste Hochhaus-Idee wurde soeben im BVV-Stadtentwicklungsausschuss bekannt: Am Adenauerplatz will der Eigentümer des Grundstücks an der Ecke Lewisham- und Waitzstraße, Sruel Prajs von der Immobilienfirma Berlinhaus, das elfstöckige „Panorama-Hotel“ durch einen etwas größeren Turm mit 14 Etagen und 213 Hotelzimmern ersetzen. Zusätzlich möchte er ein Bürohochhaus mit 17 Etagen errichten. Auch bestehende Wohnhäuser sollen Neubauten weichen, die Zahl der Mietwohnungen würde dabei aber von 35 auf 43 steigen. Hinzu kämen 400 Studentenwohnungen.Die Entwürfe stammen von dem renommierten Architekten Max Dudler.

Doch nur die FDP-Fraktion erklärte, das Projekt „voll und ganz“ zu unterstützen. Das Bauamt hatte mit dem Grundstückseigner schon vor Monaten verhandelt und dabei deutlich gemacht, dass nur eine Modernisierung des bestehenden Hochhauses infrage komme. Eventuelle Neubauten müssten der Traufhöhe entsprechen. Auch die Grünen-Bezirksverordnete Jenny Wieland fand: „Man könnte sanieren.“ Den geplanten Wohnanteil kritisierte sie als „marginal“ und warf die Frage auf, worin der „Mehrwert für den Bezirk“ bestehe.

Der 74-jährige Sruel Prajs betonte, ihm gehe es gar nicht in erster Linie um Profit. Vielmehr wolle er „in meinem Alter etwas Schönes für Berlin machen“ und die hässliche Ecke aufwerten. Bisher wird diese unter anderem durch eine große Parkpalette geprägt, deren Erdgeschoss früher einen Sexshop beherbergten und seit Jahren leer steht.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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