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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 18.04.2019

erst mussten Händler ihre Läden räumen, nun fürchten 20 Mieter im selben Haus um ihre Wohnungen: An der Uhlandstraße 61 in Wilmersdorf bahnt sich der neueste Fall einer Verdrängung durch Immobilieneigentümer an. Über die Schließung dortiger Geschäfte hatten wir bereits im Februar berichtet. Schon damals war zu hören, der Hausbesitzer wolle alle Miet- in Eigentumswohnungen umwandeln. Entsprechende Ankündigungen gebe es, bestätigten Mieter am Mittwoch im BVV-Stadtentwicklungsausschuss. Noch sei allerdings keinem Bewohner gekündigt worden.

Erst vor Kurzem hatte ein Österreicher die Immobilie erworben. Nach Kenntnis der Mieter plant er aber schon den Weiterverkauf. Im Ausschuss war kein Eigentümervertreter anwesend. Ersatzweise stellten Beamte des Bauamts beantragte Veränderungen vor. So sollen zwei Wohnungen in der dritten und vierten Etage zu einer Maisonette-Wohnung zusammengelegt werden. Ein Seitenflügel, der seit Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nur noch zwei Stockwerke hat, könnte um drei Etagen aufgestockt werden. Außerdem geht es um einen Dachausbau für zwei große Wohnungen, zusätzliche Balkone, den Bau eines Außenfahrstuhls und Sanierungen.

Für diese Umbauten „müssten wir raus“, glauben die Mieter. Künftige Eigentumswohnungen im Haus könne sich niemand von ihnen leisten. Das Bauamt hat noch nichts genehmigt, sieht aber bisher „keine Rechtsgrundlage“, um die Pläne zu durchkreuzen.

Eine ermutigendere Neuigkeit gibt es für die Mieter im Haus Fechnerstraße 7, das weiter südlich an die Uhlandstraße grenzt. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) gab im Ausschuss bekannt, nach Verhandlungen mit der Immobilienfirma Krieger + Schramm würden die bisherigen Entwürfe für das Neubauprojekt Uhland House „nicht mehr verfolgt“. Stattdessen habe man sich auf ein städtebauliches Wettbewerbsverfahren geeinigt. Die Frage, ob das Bestandsgebäude abgerissen oder nur ausgebaut und umgestaltet werden soll, bleibe dabei zunächst „offen“.

Etwa die Hälfte der 24 Wohnungen an der Fechnerstraße steht schon leer. Den  verbliebenen Mietern machte Schruoffeneger nun Hoffnung, Mindestens bis zum Abschluss des Wettbewerbs müssten sie keine Räumungsaufforderung befürchten, weil „der Investor nicht mehr wegen eines bevorstehenden Bauprojekts kündigen kann“.

Wem gehört Berlin? Unsere Langzeit- und Crowdrecherche zum Thema Wohnungsmarkt und Verdrängung finden Sie hier: interaktiv.tagesspiegel.de

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de

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