Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 20.09.2019

Um gemeinsam Musik zu machen, trafen sich ein paar Wilmersdorfer Hobbysänger und Instrumentalisten ein Mal pro Woche im interkulturellen Treffpunkt Haus der Nachbarschafft. Doch vor ein paar Tagen sah sich der Trägerverein um Holger Michel dazu gezwungen, die Reihe „Musik zum Spaß – Session mit Gerhild“ zu stoppen, weil „uns die GEMA auf die Pelle gerückt ist“. Die Verwertungsgesellschaft für musikalische Urheberrechte sucht regelmäßig nach Aufführungen mit geschützten Werken. Dabei war das Programm des Hauses am Volkspark Wilmersdorf aufgefallen.

Der Verein habe „Musik öffentlich wiedergegeben“ und „dies im Vorfeld entweder nicht bei uns angemeldet oder falsche Angaben gemacht“, schrieb die GEMA. Als „Schadensersatz“ verlangte sie rückwirkend für mehrere Monate eine „Vergütung mit 100 Prozent Kontrollkostenzuschlag“, was sich auf rund 200 Euro summierte. Künftig sollten je 24,10 Euro gezahlt werden für „Aufführungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Musikern“.

Proteste blieben erfolglos. „Da verdient niemand Geld, da wird nichts aufgeführt, Nachbarn musizieren zusammen“, sagt Michel. „Genau für so etwas“ fördere das Bezirksamt das Haus der Nachbarschafft. Mit Gebühren könne man sich die Reihe nicht leisten. Das gesamte monatliche Budget für die Gartenpflege, ein Café, die Werkstatt und Bildungsangebote betrage nur etwa 820 Euro. „Ich bin nun wirklich kein GEMA-Gegner, aber hier wird die Bildung von Nachbarschaften verhindert.“

Tagesspiegel Leute wirkt. Auf unsere Nachfrage hin änderte die GEMA ihre Meinung. Sprecherin Gabi Schilcher betont zwar, Urheber hätten „immer Rechte“, egal ob Musik „kommerziell oder nicht“ dargeboten werde, allerdings habe man den Fall noch einmal überprüft. Der Verein habe zuletzt angemeldet, dass acht Nachbarn „miteinander ohne Publikum“ musizieren. Damit seien die Treffen „nichtöffentlich“ und gebührenfrei, die Forderungen „werden storniert“. Im Haus der Nachbarschafft ist die Freude groß. Noch wartet man auf eine schriftliche Bestätigung der GEMA, bald soll es wieder „Musik zum Spaß“ geben.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de

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