Intro

von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 25.09.2020

fast noch ein Geheimtipp ist die eigene Telefonnummer der Bürgerämter in unserem Bezirk (9029 15 036). Wer einen Termin vereinbaren wolle, rufe stattdessen meistens das zentrale Berliner Bürgertelefon mit der Nummer 115 an, sagte der zuständige Stadtrat Arne Herz (CDU) soeben in einem BVV-Ausschuss. Aber: „Das ist die schlechteste Variante.“ Denn im Vergleich zu bezirklichen Hotlines stehe dort ein „geringeres Kontingent“ an Terminen zur Verfügung.

Umso merkwürdiger wirkt es, dass Charlottenburg-Wilmersdorf auf seiner Webseite vor allem die 115 bewirbt und den bezirklichen Terminservice nur als zusätzliche „Notfalltelefonnummer“ bezeichnet. Auf unsere Nachfrage hin sagte Herz, er wolle „nicht von der einheitlichen Linie abweichen“, auf die sich der Senat und die Bezirke bei der 115 als Behördenrufnummer geeinigt hatten. FDP-Fraktionschef Felix Recke fragte, „warum es überhaupt verschiedene Hotlines gibt“.

Rein zeitlich kann die bezirkliche Telefonnummer nicht ganz mithalten. Sie steht nur während der Dienstzeiten des Bürgeramts zur Verfügung (Mo. 8–16 Uhr, Di. 10–18 Uhr, Mi. 8–13 Uhr, Do. 10–18 Uhr, Fr. 8–14 Uhr). Das Bürgertelefon 115 ist montags bis freitags zwischen 7 und 18 Uhr erreichbar – zumindest theoretisch, falls nicht wegen der häufigen Überlastung nur das Besetztzeichen ertönt.

Viele Beschränkungen wegen der Coronakrise gelten weiter in den Bürgerämtern. Der Standort am Halemweg bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Auch die Anlaufstelle in den Wilmersdorfer Arcaden ist vorübergehend außer Betrieb. Dazu kam es allerdings schon vor der Pandemie, weil das ganze Shoppingcenter modernisiert wird. Das Amt soll nach dem voraussichtlichen Ende der Bauarbeiten im Frühjahr 2021 wieder öffnen.

Am Hohenzollerndamm und in der Heerstraße muss sich jeder anmelden. Sprechzeiten gibt es nur für „Anmeldungen, Pass- und Personalausweisangelegenheiten, Führungszeugnisse und Führerscheinangelegenheiten“ und in besonderen Notfällen.

Ummeldungen des Wohnsitzes seien „temporär“ auch rein schriftlich möglich, sagte Stadtrat Herz. Im kommenden Jahr müsse man die Absender aber wohl leider „physisch einbestellen“, um ihre Angaben zu überprüfen.

Termine langfristig zu buchen, ist unmöglich. Sowohl online als auch telefonisch werden sie maximal 28 Tage im Voraus vergeben. Arne Herz begründet das mit der Sorge vor einem eventuellen zweiten „Lockdown“ in der Coronakrise, der alle Vereinbarungen zunichte machen würde. Anfang Oktober will er mit anderen Berliner Stadträt(inn)en darüber sprechen.

Hinter den Kulissen bemüht sich das Bezirksamt darum, mehr Platz zu schaffen. An der Heerstraße mussten dafür Regale mit Infomaterial weichen. Mitarbeiter(innen) am Hohenzollerndamm, die keinen direkten Kontakt zu den Bürgern haben, wurden in die Wilmersdorfer Arcaden versetzt. Dort arbeitet auch die bezirkliche Telefon-Hotline.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de