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von Cay Dobberke

Veröffentlicht am 09.10.2020

damit Kinder sicherer zur Schule gelangen, will das Bezirksamt noch in diesem Jahr erste Vorschläge von Gutachtern umsetzen. Dazu gehören „Kiss & Go“-Zonen, die in der Nähe von rund 40 Grundschulen geplant sind. Autofahrende Eltern können sich dort von ihren Kindern verabschieden, die den kurzen verbleibenden Weg zum Schulgebäude alleine laufen. So kann ein Verkehrschaos durch „Elterntaxis“ vermieden werden. Für jede der ausgewählten Schulen sollen zwei bis drei „Kiss & Go“-Zonen an Kreuzungen zu den nächsten größeren Durchfahrtsstraßen entstehen.

Gutachter eines Verkehrsplanungsbüros hätten im Auftrag des Bezirks die Schulwege zu allen 70 Grund-, Ober- und Privatschulen untersucht, sagten Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) und Bildungsstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) in einer gemeinsamen Sitzung zweier BVV-Ausschüsse.

Halteverbote für Autos vor Schulen oder an gefährlichen Stellen in der Umgebung seien ebenfalls schnell machbar, fügte Schruoffeneger hinzu, dafür müssten ja nur einige Schilder aufgestellt werden. Außerdem sollen bis zum Jahresende die Vermessungen für „bauliche Maßnahmen“ wie Gehwegvorstreckungen beginnen, um die Realisierung im kommenden Jahr vorzubereiten. Wichtig sei aber, nicht einzelnen Schulen eine Priorität zu geben, wie es die BVV-Mehrheit in einigen Beschlüssen gefordert hat. Denn dies würde zu einem „riesigen Aufwand“ führen und „ein Jahr länger dauern“.

Das „größte Gefahrenpotenzial“ sieht Stadträtin Schmitt-Schmelz in Eltern, die ihre Kinder unbedingt bis vor das Schultor fahren wollen und dabei auch Verbote ignorieren. Zum Schuljahresbeginn habe sie vor einer Grundschule selbst erlebt, wie „Polizeipfiffe ignoriert“ und Beamte von Eltern „angepflaumt“ wurden. Im Gespräch mit Schuldirektoren schlug Schmitt-Schmelz das „Laufbus“-Modell vor. Dabei geht eine Kindergruppe zusammen zur Schule und wird von Erwachsenen begleitet – bis die Gruppe sicher genug ist, um alleine zu laufen.

Vertreter des Bezirkselternausschusses (BEA) kritisierten, das Bezirksamt habe ihnen „keine Chance“ gewährt, das Gutachten zu kommentieren. Merkwürdig sei auch, dass nur rund 50 der 70 Schulen auf die Befragung geantwortet hätten.

Temporäre Straßensperrungen wurden bereits vor der Grundschule am Rüdesheimer Platz und vor der Nehring-Grundschule nahe dem Klausenerplatz erprobt. Die Fahrbahnen verwandelten sich in Spielstraßen, auch wenn das Bezirksamt diese Bezeichnung vermied. Ähnliches sei auch andernorts möglich, sagten Heike Schmitt-Schmelz und Oliver Schruoffeneger. Solche Tests müssten aber „aus der Elternschaft organisiert und initiiert werden“, das Bezirksamt wäre mit der Kinderbetreuung überfordert.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de