Intro
von Cay Dobberke
Veröffentlicht am 05.08.2022
noch immer brennt es im Grunewald, nachdem es am Donnerstagmorgen auf dem dortigen Sprengplatz der Polizei zu Explosionen und einem Feuer gekommen war. Die Avus (Autobahn A 115) bleibt vorerst gesperrt. Die S-Bahnlinie 7 ist zwischen den Stationen Grunewald und Wannsee unterbrochen. Auch beim Regional- und Fernverkehr der Bahn gibt es Einschränkungen und Umleitungen.
Warum existiert der Sprengplatz überhaupt noch? Die West-Alliierten hatten ihn 1950 geschaffen, um Bomben-Blindgänger und andere Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg zu beseitigen. Später wurde auch illegale Pyrotechnik gelagert und vernichtet. Vielleicht erklärt dies, warum ein paar der ersten Detonationen auf einem Handyvideo wie ein Silvester-Feuerwerk aussehen.
Der Sprengplatz liegt in Zehlendorf nahe der Bezirksgrenze zu Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Bahnhof Grunewald und die Siedlung Eichkamp sind nur wenige Kilometer entfernt. Die Feuerwehr sieht dort aber keine Gefahren.
In einer ersten Reaktion aus unserem Bezirk fordert die Berliner CDU-Abgeordnete Sandra Khalatbari, den Sprengplatz zu schließen. Er sei ein „aus der Zeit gefallenes Relikt des Kalten Krieges“ und liege mitten im Landschaftsschutzgebiet. Grunewald gehört zu Khalatbaris Wahlkreis. Sie erinnert an einen 18 Jahre alten Antrag der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, gemeinsam mit Brandenburg einen Sprengplatz im Umland zu betreiben.
Auch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) haben den bisherigen Sprengplatz infrage gestellt. Man müsse darüber nachdenken, ob das „Berliner Stadtgebiet der richtige Ort dafür ist“, sagte Giffey. Sie wolle auch mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) über eine Kooperation sprechen. Dagegen warnt die Berliner FDP-Fraktion vor „übereilten Diskussionen“.
Die Berliner Polizei brachte die Probleme in ihrem Twitter-Kanal auf den Punkt. „Alternative Nutzungsflächen sind in Berlin nicht vorhanden bzw. nicht genehmigungsfähig.“ Auch in Brandenburg seien Flächen geprüft worden. „Diese konnten jedoch keine vergleichbaren Lagerkapazitäten bieten.“ Ähnlich äußerte sich Polizeipräsidentin Barbara Slowik später im RBB 24 Inforadio. Die Polizei müsse noch immer täglich Kampfmittel in der Stadt entfernen. Lange Transporte alter Weltkriegsbomben seien sehr gefährlich. Deshalb brauche man weiterhin einen nahe gelegenen Sprengplatz.
Der Waldbrand wird zum Politikum. Darüber berichten wir exklusiv auf Tagesspiegel Plus. Dort finden Sie außerdem ein Interview mit der Leiterin des Forstamts Grunewald, Katja Kammer, über das Feuer und die Folgen der Klimakrise. Sie sagt: „Der Sprengplatz ist abgesichert und wird seit Jahrzehnten betrieben.“ Mit dem Großbrand habe man nicht rechnen können. Wie Sie sich sicher verhalten, wenn Sie einen Waldbrand entdecken, erklärt Ihnen hier ein Feuerwehrexperte.
Über die Entwicklung berichten wir laufend in unserem Liveblog. Er enthält auch einen Bericht aus der Siedlung Eichkamp, die nur etwa 3,5 Kilometer vom Sprengplatz entfernt liegt. Trotzdem haben die Anwohnenden relativ wenig mitbekommen. Es riecht nicht nach Rauch, und die Explosionen waren nicht besonders laut zu hören.