Kiezkamera

Veröffentlicht am 12.10.2018 von Cay Dobberke

Gefährliche Dauerparker. Lastwagen, die von ihren Eigentümern viele Monate lang am Straßenrand abgestellt werden, sind oft ein Ärgernis. Wir haben schon über einige Fälle berichtet. An der Clayallee / Ecke Pücklerstraße sind die Zustände sogar riskant für Fußgänger, Radfahrer oder BVG-Fahrgäste, die an einer dortigen Bushaltestelle (nicht im Bild) aussteigen. Lkw und Anhänger versperren ihnen wie auch den Autofahrern die Sicht.

Bereits im Frühjahr 2017 hatte der Anwohner Daniel Schneider das Bezirksamt vor dem Verwaltungsgericht verklagt und ein Halteverbot verlangt. Schneider, von dem auch unser Foto stammt, ist selbst Richter am Landgericht. Er zog seine Klage am Ende zurück, weil die Verwaltungsrichter deutlich machten, er habe kein Recht auf die Durchsetzung des Verbots. Trotzdem sahen sie vieles wie er. Die „Gemengelage“ aus verschiedenen Verkehren erhöhe „die Gefährlichkeit der Kreuzung im Gegensatz zu anderen Kreuzungen“, steht im Verhandlungsprotokoll. Es liege auch auf der Hand, dass geparkte „Lastwagen und Ähnliches die Sicht mehr erschweren“ als Pkw. Ein Bezirksvertreter sicherte vor Gericht zu, man werde die Situation „kritisch hinterfragen“.

Dann geschah wieder nichts. Im Bezirksamt ist seit Mai nicht mehr Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU), sondern Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) für Verkehrsmaßnahmen zuständig. Laut Schneider reagierte dieser nicht auf zwei Schreiben. Auf Nachfrage des Tagesspiegels weckt Schruoffeneger nun aber Hoffnung: „Ich habe mir am letzten Wochenende vor Ort einen Eindruck machen können. Das Bezirksamt wird erneut prüfen, ob die angeregte Halteverbotszone oder aufgepflasterte Gehwegnasen einen Beitrag zur Entschärfung leisten könnten.“ Erschwert werde dies durch verschiedene Zuständigkeiten. Wegen der „übergeordneten Bedeutung der Clayallee“ müsse die Senatsverkehrsverwaltung mitziehen. Außerdem verlaufe an der Pücklerstraße die Bezirksgrenze zu Steglitz-Zehlendorf.

Nach Schruoffenegers Kenntnis gab es an der Kreuzung seit 2015 keinen Unfall mehr („Stand Mai dieses Jahres“). Schneider hat sich jedoch die polizeiliche Unfallstatistik besorgt. Diese weist für 2015 fünf Unfälle aus und für 2016 drei. Insgesamt sind 114 Unfälle in den Jahren 1997 bis 2016 verzeichnet. Zahlen für 2017 und 2018 liegen Schneider nicht vor. „Aber auch in diesem Zeitraum sind Unfälle beobachtet worden“, sagt er.

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