Kiezkamera

Veröffentlicht am 26.04.2019 von Cay Dobberke

Verschärftes Badeverbot am Halensee. Grüne Metallzäune versperren neuerdings fast das gesamte nordöstliche Ufer des Halensees unter der Liegewiese, die seit Jahrzehnten vor allem unter Nudisten beliebt ist. Und am einzigen noch freien, rund sieben Meter breiten Zugang zum Wasser verkündet ein Schild: „Gemäß Grünanlagengesetz ist das Baden hier nicht erlaubt.“ Nun regt sich viel Protest zumal die inoffizielle Badestelle nicht nur FKK-Freunde anzieht, wie auch unser Foto zeigt.

Nur dort war es früher erlaubt, kostenlos zu schwimmen. Dagegen kostet der Eintritt ins ehemalige Freibad Halensee, das ein Pächter zur Strandbar Ku’damm-Beach gemacht hat, 12 Euro inklusive der Miete für eine Liege oder 8 Euro für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren. Außerdem sind Nudisten dort nicht erwünscht. Erst ab 19 Uhr, wenn der Badebetrieb endet, kommen Barbesucher gratis hinein. Die Schwimmsaison im Ku’damm-Beach soll im Mai beginnen.

An der öffentlichen Wiese hat jemand seine Wut mit einem Aufkleber auf dem Schild kundgetan: „Hier Badeverbot, gegenüber Freibadbetrieb zu Wucherpreisen!“ Darüber hinaus wandte sich unser Leser Hans Markert soeben an den Ausschuss für Eingaben und Beschwerden der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Markert hat rund 30 Unterschriften für einen „Rückbau des Zauns“ gesammelt und regt an, das Verbotsschild durch einen Hinweis zu ersetzen, wonach das Schwimmen auf eigene Gefahr geschehe.

Die Geschichte des Badeverbots reicht bis ins Jahr 2003 zurück. Damals wurde der ganze Halensee wegen schlechter Wasserqualität gesperrt. Die bakterielle Belastung überstieg die EU-Grenzwerte für eine Badestelle, was hauptsächlich daran lag, dass der See keinen natürlichen Zufluss hat. Stattdessen wird Regenwasser aus der Umgebung inklusive der Stadtautobahn hineingeleitet. Im Jahr 2007 errichteten die Berliner Wasserbetriebe eine große neue Filteranlage. 2016 waren die Messwerte endlich gut genug, um das Badeverbot aufzuheben. Doch das geschah nur im Bereich der Strandbar.

Aber warum eigentlich? Die Aufschrift des Verbotsschildes wirkt irreführend: „Das Ufer ist nicht beaufsichtigt und es befinden sich Gefahrenstellen im Wasser.“ Den wahren Grund nennt Bezirks-Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne): „Das Entscheidende ist die schlechte Wasserqualität in den gesperrten Bereichen, die uns dazu zwingt, das Badeverbot auch durchzusetzen.“ In einer schriftlichen Stellungnahme des Umweltamts steht, „nur an der zugelassenen Badestelle“ am Ku’damm-Beach würden die Vorgaben der EU-Badegewässerrichtlinie erfüllt. Im Rest des Sees sei die gemessene Keimbelastung noch immer zu hoch.

Zusätzlich argumentiert der Bezirk mit dem Naturschutz. „Durch den gestiegenen Besucherdruck, die Missachtung des Badeverbots außerhalb des öffentlichen Bades und durch Angler“ sei das Ufer „zunehmend zerstört“ worden, heißt es. Der Zaun sei nötig, um eine Bepflanzung gemäß dem „Landschaftsplan der Grunewaldseenkette“ zu ermöglichen. „Der Blick auf das Gewässer und der damit verbundene Naturgenuss“ würden dadurch nicht verhindert. Vielmehr könnten sich Besucher künftig über eine „vergrößerte Biodiversität“ freuen.

Ob die Bürgerbeschwerden etwas bewirken werden, muss sich noch zeigen. Eines scheint jedoch klar: Einige der Nudisten und andere Nutzer der Liegewiese werden das Badeverbot ebenso ignorieren wie in den vorigen 16 Jahren. Bereits am Donnerstag gingen erste Schwimmer an der letzten zaunfreien Stelle in das noch kühle Wasser. Um das Verbot durchzusetzen, müsste das Umweltamt regelmäßig zu Kontrollen anrücken. Angesichts des Personalmangels in der Bezirksverwaltung scheint dies utopisch.

Foto: Cay Dobberke

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