Kiezkamera
Veröffentlicht am 14.06.2019 von Cay Dobberke
Am Stuttgarter Platz bleibt’s vorerst bunt. Warum hat das Hostel Happy Go Lucky, schräg gegenüber dem S-Bahnhof Charlottenburg, eigentlich immer noch seine schreiend bunte Fassade? Seit sieben Jahren schon ringt es mit dem Bezirksamt. Zunächst hatte Eigentümer Alexander Skora die Fassade Orange streichen lassen und mit Smileys sowie einem Namensschild des Hostels versehen. Das Ordnungsamt stufte dies als unzulässige „Werbung“ ein, die entfernt werden müsse. Es kam zum Gerichtsstreit, den die Behörde gewann. Doch im Sommer 2016 ließ Skora die Fassade vom irischen Künstler Dom Browne neu besprühen und bemalen.
Der Bezirk erließ auch dagegen eine „Beseitigungsanordnung“, die Skora wiederum im Herbst 2017 mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht angefochten hat. „Das Verfahren ist noch anhängig, ein Verhandlungstermin noch nicht bekannt“, teilte das Büro von Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) auf Nachfrage mit.
„Wie die grauen Männer in Michael Endes Roman Momo“ bekämpften „anonyme Schreibtischtäter“ alles Bunte, kritisiert Skora. Das Bezirksamt verhalte sich feindlich, „anstatt sich um pünktlich steuerzahlende Berliner Bürger zu bemühen, die ehemalige Ekel-Ecken und Problemviertel wie den Stuttgarter Platz durch Initiative, Energie und positive Bemühungen zum Besseren verändern.“ Berliner und Touristen erfreuten sich an der Fassade, die „im Internet mit dem Rest der Welt immer wieder geteilt wird und beliebte Botschafterin Berlins ist“.
Bald dürfte sich außerdem zeigen, wie bunt das vor gut einem Jahr eröffnete zweite „Happy Go Lucky“-Hostel in Schöneberg werden darf. Denn dessen „grau-braun-beiges“ Äußeres in der „eher etwas tristen Grunewaldstraße“ missfällt Skora, dem beide Gebäude gehören. Gemeinsam mit den geschäftsführenden Betreibern der zwei Hostels, Dirk und Nicole Jochheim von der „bed-company GmbH“, möchte er auch die Schöneberger Fassade „mit fröhlichen Farben füllen“.
Foto: Cay Dobberke
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