Kiezkamera

Veröffentlicht am 09.08.2019 von Cay Dobberke

Zur Hölle mit dem Götterbaum! Im Lietzenseepark versuchen Gisela Liertz (links), Irene Fritsch und Norbert Voß vom Verein Bürger für den Lietzensee, die weitere Ausbreitung des Gewächses zu stoppen.

Der ursprünglich aus China und Vietnam stammende Götterbaum hat einen schönen Namen und sieht auch ganz gut aus – doch leider gilt er in ganz Deutschland als invasives Gewächs, weil er heimische Pflanzen verdrängt. Außerdem schrecken viele hiesige Insekten vor dem Götterbaum zurück, der auch für Menschen leicht giftig und hautreizend sein kann.

Die nächste Aktion am Lietzensee ist für diesen Sonnabend geplant. Außerdem beteiligen sich die Anwohner am 21. September wieder an den Freiwilligentagen Gemeinsame Sache des Tagesspiegels und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands (13. bis 22. September). Allerdings fühlen sich die Vereinsmitglieder wie bei einem „Kampf gegen Windmühlen“. Der Götterbaum gilt als der schnellstwüchsige Baum in Europa mit einer Höhe von bis zu 30 Metern; er pflanzt sich sowohl über Samen als auch durch seine Wurzeln fort. Im Frühjahr hatten Mitglieder des Bürgervereins und der Landschaftsarchitekt Dietmar Land (von ihm stammen das Pflegewerk für den Lietzenseepark und ein Buch über dessen Schöpfer Erwin Barth) einen Hang am Seeufer von den Gewächsen befreit. Doch an manchen Stellen sehe es fast schon wieder wie vorher aus, beklagt die als Kiezkrimi-Autorin bekannte Irene Fritsch.

Die Senatsumweltverwaltung müsse eine Strategie gegen den Götterbaum entwickeln, fordert der Verein. Berliner Gartenbesitzer sollten „sensibilisiert“ werden, damit sie den Baum identifizieren und bekämpfen können. Außerdem brauche das bezirkliche Grünflächenamt mehr Geld von der Landesregierung, um Gärtner anzustellen.

Bau- und Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sagt dazu, die Grünflächenämter aller Berliner Bezirke seien „seit 15 Jahren notleidend“. Der Beseitigung von Götterbäumen wolle man sich im Herbst widmen. Im Sommer konzentriere das Amt seine begrenzten Kapazitäten auf die Bewässerung anderer Bäume. Ärgerlich findet es der Stadtrat, dass der Senat die Gelder für die Grünpflege im Bezirk im kommenden Jahr um eine Million Euro und 2021 um zwei Millionen Euro kürzen wolle. Begründet werde dies mit der Entlastung durch die Berliner Stadtreinigung (BSR), die in einigen Parks die Abfallbeseitigung übernommen hat.

Foto: Cay Dobberke

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