Kiezkamera

Veröffentlicht am 08.05.2020 von Cay Dobberke

Zur Deutschlandhalle bitte hier entlang. Auf das im Jahr 2011 abgerissene Baudenkmal weist noch immer ein Verkehrsschild am Autobahndreieck Funkturm hin. Der Wegweiser steht in der Halenseestraße kurz vor dem früheren Internationalen Congress Centrum (ICC) und der Zufahrt zum S-Bahnhof Westkreuz.

In der Umgebung gebe es sogar noch mehr alte Hinweise auf die Deutschlandhalle, sagte der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, Jan Thomsen, dem Tagesspiegel-Newsletter für Charlottenburg-Wilmersdorf.

„Der Grund ist schlicht, dass sich dort in der Vergangenheit immer wieder Änderungen – etwa hinsichtlich der Zufahrten zum ICC, der Schließung des ICC-Parkhauses und des Parkleitsystems Olympiastadion/ Messegelände – ergeben haben.“ Deshalb sei „eine finale Abstimmung mit der Messe Berlin über die endgültige Wegweisung noch nicht möglich“ gewesen. Wenn diese feststehe, „sollte sie nach Möglichkeit auch zusammenhängend angeordnet und umgesetzt werden“.

Den Hinweis auf das Schild verdanken wir unserem Leser Daniel Hillar. Er findet es „verwirrend für Ortsunkundige“ – und „nostalgisch für (West-) Berliner“. Interessanterweise scheint die veraltete Beschriftung kaum jemandem aufgefallen zu sein. Auch der Autor dieses Newsletters fuhr schon oft durch die Halenseestraße, ohne den Fehler zu bemerken. Ein zweiter Leser hat uns soeben darauf aufmerksam gemacht, dass ein ganz ähnliches Schild noch „über der Königin-Elisabeth-Straße, kurz vor der Kreuzung in Richtung A 100“ stehe.

Das Ende der Deutschlandhalle war im Dezember 2011 mit der spektakulären Sprengung des Dachs gekommen (hier im Video). Der Berliner Senat hatte den Abriss trotz Protesten von Architekturfreunden und des Bezirksamts beschlossen. Bis heute wird die Halle oft als Beispiel dafür genannt, wie wirkungslos Denkmalschutz sein kann. 2014 eröffnete das Kongresszentrum City Cube an gleicher Stelle am Messedamm / Ecke Jafféstraße.

Die Geschichte der Deutschlandhalle reicht bis ins Jahr 1935 zurück. Damals wurde sie im Beisein von Adolf Hitler als Sportstätte für die Olympischen Spiele 1936 eröffnet. Die 117 Meter lange und 83 Meter breite Stahlkonstruktion mit Platz für 10.000 Zuschauer galt als größte Mehrzweckhalle der Welt. Außer Sportveranstaltungen fanden Shows und nationalsozialistische Massenveranstaltungen statt. 1943 zerstörte eine Fliegerbombe die Halle. Nach dem Krieg wurde sie in ähnlicher Form neu aufgebaut und 1957 wiedereröffnet.

Zu den bekanntesten Veranstaltungen gehörten die schon 1937 gegründete Zirkusshow „Menschen–Tiere–Sensationen“, die Eisshow „Holiday on Ice“, Reit- und Springturniere, die Berliner Sechstagerennen der Radrennfahrer und das Militärmusikfestival “British Tattoo”. Legendär wurden die Konzerte vieler internationaler Stars wie David Bowie, Queen, The Rolling Stones, Pink Floyd und The Who, die wir hier gar nicht alle aufzählen können (mehr dazu finden Sie bei Wikipedia).

Wegen des angeblich maroden Bauzustands war die Halle erstmalig 1998 geschlossen worden und sollte weg, obwohl das Landesdenkmalamt sie erst drei Jahre zuvor unter Schutz gestellt hatte. Nach dem Abriss der Eissporthalle in der Jafféstraße wurde die Deutschlandhalle aber noch einmal gebraucht. Von 2001 bis 2009 diente sie primär als Eissportarena. – Text und Foto: Cay Dobberke
+++
Dieser Text
stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Charlottenburg-Wilmersdorf – einmal pro Woche, kompakt und gebündelt und voller exklusiver Nachrichten. Kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
+++
…210.000 Abos
haben unsere Bezirksnewsletter schon – hier gibt es auch alle anderen Bezirksnewsletter vom Tagesspiegel leute.tagesspiegel.de