Kiezkamera

Veröffentlicht am 28.08.2020 von Cay Dobberke

„Berlin“-Skulptur soll den Breitscheidplatz schützen. Erstmals können Sie hier ein Modellbild der umstrittenen Barriere mit „Berlin“-Schriftzug auf dem Breitscheidplatz sehen, die sich vor allem Innensenator Andreas Geisel (SPD) wünscht. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf stellte den Entwurf des Architektenbüros Spreeformat in einer Sitzung zweier BVV-Ausschüsse vor. Doch wegen der angeblichen Geheimhaltung als „VS-Vertraulich“ wurden Fotos verboten. Erst als wir bei der Senatsinnenverwaltung nachhakten, stellte sich heraus, dass nur bautechnische Details aus Sicherheitsgründen vertraulich sind.

Drei Meter hohe Metallbuchstaben stehen in der Simulation auf einem 16 Meter breiten Betonsockel, der einen Meter emporragt. Ursprünglich war nur von drei Metern Gesamthöhe die Rede gewesen. Zwei Buchstabenreihen formen in beide Richtungen gegenläufig das Wort „Berlin“. Zusätzlich sollen sie ineinander verdreht werden, um die Stabilität zu erhöhen.

Weitere Bilder finden Sie hier und hier. Es handele um „Arbeitsstände“ und „noch nicht zwingend um das finale Aussehen“, sagte uns ein Sprecher der Innenverwaltung.

Nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Dezember 2016, bei dem zwölf Menschen getötet und viele weitere verletzt worden waren, ist die Barriere als Schutz vor ähnlichen Taten gedacht. Sie soll an der Kant- / Ecke Hardenbergstraße aufgestellt werden, wo der Attentäter mit einem geraubten Lastwagen in die Menschenmenge gefahren war.

Der „banale“ und „monumentale“ Schriftzug behindere den Blick auf die denkmalgeschützte Gedächtniskirche, kritisierten deren Stiftung und Pfarrer Martin Germer. Das Bezirksamt ist sich nicht einig. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) attestierte dem Vorhaben schon vor rund zwei Jahren „den Charme einer westdeutschen Kleinstadt der 1970-er Jahre“ und nannte es „vollkommen unangemessen“ für einen zentralen Metropolenplatz. Dagegen unterstützen Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) die Idee des Innensenators.

Ob und wann diese umgesetzt wird, bleibt vorerst fraglich. Dem Vernehmen nach drängt die Innenverwaltung auf einen Baubeginn im Oktober. Stadtrat Herz kann aber „nicht prognostizieren, ob es im Herbst losgeht“. Während des diesjährigen Weihnachtsmarkts müsse es gegebenenfalls einen „Baustopp“ geben.

Gegen die Barriere hat sich die Untere Denkmalschutzbehörde im Bezirk ausgesprochen. Eine Stellungnahme der Obersten Denkmalschutzbehörde, die zur Senatskulturverwaltung gehört, steht noch aus. Das Landesdenkmalamt hatte im vorigen Juli deutlich gemacht, dass „der Schriftzug, so wie er derzeit als Planungsentwurf vorliegt, nicht zustimmungsfähig ist“.

Der Schriftzug wäre nur der erste Schritt für ein neues Sicherheitskonzept am Breitscheidplatz. Im kommenden Jahr sollen die jetzigen massiven Lkw-Sperren und die Metallgitterkörbe mit Sandsäcken ersetzt werden. Aber wie? Bisher lägen dem Bezirksamt nur Skizzen vor, sagen die Stadträte Herz und Schruoffeneger. Weil die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung das Projekt nicht leiten wollte, trieb der Bezirk die Planung im Auftrag des Senats voran und schaltete auch die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ein.

Die Gesamtkosten für neue Sicherheitstechnik werden auf 6,5 Millionen Euro „plus Folgekosten“ geschätzt. Bisher hat das Land Berlin dem Bezirk aber lediglich 1,5 Millionen Euro zugesagt. Das würde erst einmal nur für den Schriftzug reichen. Dieser war anfangs mit 600.000 Euro veranschlagt – inzwischen hat sich der angenommene Preis auf 1,3 Millionen Euro erhöht.

In gut einer Woche wolle Senator Geisel den Anrainern des Breitscheidplatzes „den aktuellen Stand“ vermitteln, heißt es aus dem Bezirksamt. Die FDP-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf bekräftigt in einem BVV-Antrag ihre Forderung, den Schutz mit ansehnlichen „Stadtmöbeln“ zu gewährleisten, zu denen organische Luftfilter („City Trees“) gehören könnten.

Foto: Spreeformat Architekten

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