Kiezkamera
Veröffentlicht am 05.02.2021 von Cay Dobberke
Abschied vom Schankvorgarten. Seit 1988 gibt es das beliebte griechische Restaurant Ach! Niko! Ach! am Kurfürstendamm 97/98 in Halensee – nun aber fragen sich viele besorgte Passanten wegen Abrissarbeiten, was dort vorgeht. Zuerst die gute Nachricht: Der Wirt Dimitrios Karafilidis macht weiter und lässt die Räume renovieren. Den dazugehörigen Vorbau neben dem Gehweg musste er aber beseitigen.
Der Streit um die Vorbauten am Ku’damm reicht lange zurück. Bereits Anfang der 1980er Jahre hatten das Bezirksamt Charlottenburg und die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung angekündigt, die befristeten Genehmigungen auslaufen zu lassen oder aufzuheben. Die Bauten seien „störend“ für das Stadtbild und stünden Passanten beim Schaufensterbummel im Weg, hieß es.
Eine lange praktizierte Regel lautete, Lokalen und Läden einen Bestandsschutz für ihre Vorbauten zu gewähren, bis der Betrieb den Inhaber wechselt oder nicht mehr existiert. Als beispielsweise im Jahr 1999 das berühmte dänische Restaurant Kopenhagen an der Ecke Knesebeckstraße aus wirtschaftlichen Gründen schloss, war damit auch das Aus für den Schankvorgarten besiegelt.
Dasselbe geschah 2015 nach dem Auszug des Steakhauses Maredo am Ku’damm 214 zwischen der Uhland- und Fasanenstraße. Der Erweiterungsbau wurde abgerissen, die Räume dahinter übernahm der benachbarte Juwelier Wempe.
Das Bezirksamt strebe weiterhin an, „die Schankvorgärten am Kurfürstendamm nach und nach zurückbauen zu lassen“, bestätigte Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Die Rechtslage sei unterschiedlich. In den meisten Fällen gelte eine Genehmigung „mit einem Widerrufsvorbehalt“.
Für drei weitere Vorbauten im Halenseer Teil des Ku’damms habe man ebenfalls den Abriss angeordnet, sagt Schruoffeneger. Dagegen lägen jedoch Widersprüche vor. Unter anderem geht es um das frühere chinesische Restaurant Lee Wah, über dessen Schließung wir Ende 2019 berichtet hatten (ein Foto des Leerstands finden Sie hier bei uns). Dagegen sagten uns der Wirt des türkischen Restaurants Tugra und eine Mitarbeiterin des italienischen Ristorante Francucci, ihre Schankvorgärten seien bisher nicht betroffen.
Bei „Niko“ galt eine Frist bis Ende Januar. Nach Kenntnis des Wirts hatte der frühere Vermieter diese vor Jahren im Rahmen einer Modernisierung des ganzen Hauses mit dem Bezirk ausgehandelt. Nachdem die Immobilie verkauft wurde, habe der Erwerber erfolglos gegen den Abriss des Schankvorgartens geklagt. Stadtrat Schruoffeneger sagt, der Prozess endete mit einem Vergleich, der „einen Rückbau der Schankveranda zu einem gewissen Zeitpunkt vorsah“.
Dimitrios Karafilidis freut sich trotzdem. In der Sommersaison könne er seine Gäste draußen bewirten. Außerdem plant er hinten im Hof einen neuen Anbau an der Stelle eines Hauses, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Renovierung könne wohl bis zum April beendet werden. Ein Termin für die Wiedereröffnung steht wegen der Coronakrise allerdings noch nicht fest.
Foto: Cay Dobberke
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