Kiezkamera

Veröffentlicht am 20.08.2021 von Cay Dobberke

Hier stinkt’s. Der Hubertussee in Grunewald sei „gekippt“ und zu einer „übelriechenden Brühe mit starkem Mückenbefall“ verkommen, schreibt unser Leser Günter Büchner. Wir waren dort und können bestätigen, dass es faulig müffelt. Woran das liegt, erklärte uns der Leiter des bezirklichen Umwelt- und Naturschutzamts, Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar.

Die ganze Grunewaldseenkette sei bei der Besiedlung der Gegend im 19. Jahrhundert angelegt worden, sagt Lynar. Es handele sich also um künstliche Seen. Die Bebauung habe den Grundwasserpegel stark abgesenkt, sodass „die Grundwasserspeisung entfällt“. Stattdessen fließe Wasser aus den umliegenden Straßen hinein.

Zusätzlich werde Wasser aus der Havel hineingepumpt. Der Hubertussee sei allerdings der vorletzte in der Reihe. Vorübergehend war die Einspeisung wegen Modernisierungsarbeiten im Pumpwerk am Dianasee ganz unterbrochen. Seit diesem Jahr „funktioniert sie aber wieder“, sagt Lynar.

Das größte Problem sieht er im Dreckwasser, das aus einem Regenrückhaltebecken an der Forckenbeckstraße stammt. Normalerweise leiten die Berliner Wasserbetriebe dieses in ihre Kanalisation. Bei Starkregen gelangt es jedoch über Notüberläufe in den Hubertussee – samt Straßenschmutz, Hundekot und Laub.

Die Wasserbetriebe wollen das ändern und ihr Becken an der Forckenbeckstraße mit einem Bodenretentionsfilter ausstatten. Dabei gibt es aber zwei Hürden. Zum einen müsste der Berliner Senat das nötige Geld bewilligen. Außerdem will die landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo das Becken mit Wohnungen überbauen (wir berichteten). Nach Darstellung der Wasserbetriebe würde eine Filteranlage dann nicht funktionieren. Pflanzen, die das Wasser reinigen sollen, „wachsen nicht im Keller“.

Für diese Woche hatten Vertreter des Bezirks und der Wasserbetriebe einen Ortstermin am Hubertussee geplant, der jedoch verschoben wurde. Lynar hält es für denkbar, vorläufig die Notüberläufe des Rückhaltebeckens höher zu legen. Das wäre zwar keine nachhaltige Lösung – aber zumindest würde etwas weniger Regenwasser in den See gelangen.

  • Foto: Cay Dobberke
  • Fotografieren Sie in Ihrem Kiez oder anderswo im Bezirk? Bitte senden Sie Ihre Bilder an: cay.dobberke@tagesspiegel.de