Kiezkamera

Veröffentlicht am 26.11.2021 von Cay Dobberke

Ein Orpheus-Kopf schwimmt im Halensee und singt. Was hat das denn zu bedeuten? Die Installation stammt vom Berliner Bildhauer Philip Topolovac und soll „den Mut und die Durchhaltekraft der Künste in Corona-Zeiten“ repräsentieren.

Laut der griechischen Mythologie schwamm der singende Kopf des legendären Sängers und Dichters Orpheus nach dessen Tod noch lange auf dem Fluss Hebros und dem Ägäischen Meer umher. Dieses „drastische Symbol für die Dauerhaftigkeit künstlerischer Ausdruckskraft“ sei das Vorbild für das Kunstwerk im Halensee, schreibt das Kunstamt Charlottenburg-Wilmersdorf auf der Webseite seiner Veranstaltungsreihe Stadt findet Kunst. Zusätzlich stehen kleine Infotafeln direkt am Uferweg.

Auch das „Motiv von Verlust und Wiederkehr“ spielt demnach eine Rolle. Denn es gibt es einen historischen Bezug zum Bezirk. An der Fassade der damaligen Hochschule der Künste war 1902 eine von Ernst Herter geschaffene Orpheus-Skulptur aufgestellt worden. Deren Kopf und Unterarme wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. „Mitfühlende Arbeiter“ sollen den Rest in einen Wald am Westhafen gebracht haben. Dort steht die fragmentierte Skulptur noch heute.

Bildhauer Topolovac hat den verlorenen Kopf rekonstruiert. Täglich von 10 bis 17 Uhr kommt zu jeder vollen Stunde der Gesang aus einem wasserdichten Lautsprecher. Dabei erklingt eine vom Tenor Kevin Traugott eingesungene, teils verfremdete Arie aus der Barockoper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck. Bis zum 11. Dezember geht es so weiter.

Die Installation schwimmt unterhalb des Grundstücks an der Trabener Straße 72. Interessierte können durch den Park ans Ufer gelangen. Der Gesang ist nur ganz leise zu hören – vermutlich aus Rücksicht auf die Nachbarschaft.

  • Foto: Cay Dobberke
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