Kiezkamera

Veröffentlicht am 08.04.2022 von Cay Dobberke

Pflanzen- und Blumenmuster sind typisch für die ukrainische Petrykiwka-Malerei, auch Vögel gehören zu den beliebten Motiven auf Porzellanwaren oder Holzfiguren. Yuliia Hrushko will das Kunsthandwerk als „Teil der Kultur und Tradition“ ihrer Heimat bekannt machen. Vor zwei Wochen eröffnete sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann, den Geschenkeladen UkrGifts an der Joachim-Friedrich-Straße 31 in Charlottenburg.

Es ist nur ein Zufall, dass dies nach dem Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine geschah. Yuliia Hrushko lebt schon seit fünf Jahren in Berlin. Sie stammt aus der Stadt Dnipro und erzählt aus ihrer Jugend, dass die Eltern sie häufig in das nahe Dorf Petrykiwka gebracht hatten. Dort lernte sie Künstlerinnen und Künstler kennen und half ihnen etwas.

Früher war die Händlerin in der Werbebranche und als Projektmanagerin tätig. Vor sieben Jahren gründete sie einen Onlineshop für die Geschenkartikel und startete einen Verkauf auf Oster- und Weihnachtsmärkten. Damit sei der kleine Familienbetrieb „relativ erfolgreich“, sagt sie. Aber Yuliia Hrushko wünschte sich auch einen eigenen Laden. Nach einer längeren Suche konnten sie und ihr Mann in der Joachim-Friedrich-Straße den leer stehenden Verkaufsraum eines vorherigen Modegeschäfts übernehmen.

Seit 2013 steht die dekorative Malerei aus Petrykiwka auf der „Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der Unesco. Die Werke könnten durchaus „aktuell und modern“ sein, findet Hrushko. Ein paar bunt verzierte Teller hat sie allerdings trotzdem aus dem Sortiment genommen, weil sie bei der Kundschaft auf wenig Interesse stießen.

Die Ostereier und -körbe im Laden stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg in der Ukraine. Normalerweise fahren Yuliia Hrushko und ihr Mann regelmäßig mit einem Kleinbus dorthin, um neue Ware zu holen. Doch nun scheinen diese Touren zu gefährlich. In Dnipro gab es bereits russische Bomben- oder Raketenangriffe.

In dem neuen Geschäft deutet nichts auf den Krieg hin. Privat engagiert sich die Gründerin nun für Landsleute, aber sie spricht nur wenig darüber. Unter anderem betreute sie Geflüchtete in Berlin und sammelte Spenden.

  • Foto: Cay Dobberke
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