Kiezkamera

Veröffentlicht am 01.07.2022 von Cay Dobberke

Beton-Cadillacs sollen aufgefrischt werden. Eines der umstrittensten Berliner Kunstwerke der Nachkriegszeit schuf der Künstler Wolf Vostell mit den „Zwei Beton-Cadillacs in der Form der nackten Maja“ auf dem Rathenauplatz am westlichen Ende des Kurfürstendamms. Die Skulptur entstand 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins. Um den „Tanz der Autofahrer ums Goldene Kalb“ zu symbolisieren, betonierte Vostell zwei 6,20 Meter lange Cadillacs (Baujahr 1978) ein.

Bürgerinitiativen und Verbände sahen den Platz verschandelt und das Ansehen Berlins in Verruf gebracht. Unbekannte stellten auf dem Grünstreifen einen „Beton-Trabi“ als Gegenstück auf. Der in eine Betonpyramide eingefasste Wagen der DDR-Marke Trabant trug die Aufschrift „Einigkeit und Recht auf künstlerische Freiheit“.

Inzwischen sind Vostells Cadillacs stark verwittert. Zwei Mal wurden sie schon gesäubert und repariert, nämlich zuerst 2006 und dann noch einmal sieben Jahre später. Die Gelder stammten zum Teil aus Werbung. Die restlichen Kosten trugen eine Initiative um Peter Ristau (Vorstandsmitglied der AG City und damaliger Verwalter des Ku’damm-Karrees) sowie der ausführende Fachbetrieb ISC aus Zossen.

Die Familie des 1998 verstorbenen Wolf Vostell will bald die nächste Sanierung starten. Weil sich der Geburtstag des Künstlers am 14. Oktober zum 90. Mal jährt, „ist uns dies besonders wichtig“, sagte sein Sohn Rafael Vostell dem Tagesspiegel. Mit einer Berliner Spezialfirma für Betonsanierungen „haben wir ein nachhaltiges Konzept entwickelt, das eine umweltfreundliche Sanierung sicherstellt“.

Das Kunstwerk gehört den Erben. Das Ziel laute, es „in den Ursprungszustand zu versetzen“, sagt Rafael Vostell. Besonders hilfreich sei das Vostell-Archiv, in dem „alle Angaben zur Skulptur von meinem Vater damals detailliert zusammengetragen worden sind“. Die Sanierung werde „sehr teuer“. Die Familie zahle dafür, wolle aber auch mit einer „Vermarktung der Werbefläche“ zur Finanzierung beitragen.

Darüber hinaus weist Rafael Vostell auf eine Ausstellung hin, die das Kunsthaus Dahlem anlässlich des 90. Geburtstags seines Vaters plant. In einem Atelier im Kunsthaus am Käuzchensteig 8 hatte dieser unter anderem die Beton-Cadillacs gestaltet. In der Schau geht es allerdings nicht um diese, sondern um Krieg, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Unter dem Titel Kunst nach der Shoah – Wolf Vostell im Dialog mit Boris Lurie wird gezeigt, wie die zwei befreundeten Künstler die Judenverfolgung in der Nazizeit thematisierten. Bei der Eröffnung am Donnerstag, 7. Juli, um 17 Uhr will die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), das Grußwort sprechen.

  • Foto: Cay Dobberke
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