Kiezkamera

Veröffentlicht am 23.02.2024 von Cay Dobberke

Die Rückkehr der Bücherbox. Rund ein halbes Jahr nach dem antisemitischen Brandanschlag auf die umfunktionierte Telefonzelle vor dem Bahnhof Grunewald wurde heute an gleicher Stelle eine neue Bücherbox aufgestellt. Wie zuvor soll darin Literatur über den Holocaust ausliegen, weil sich in der Nähe das Deportationsmahnmal Gleis 17 befindet. Die Kosten des Ersatzes wurden durch Spenden, Benefizaktionen und einen Zuschuss des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf gedeckt.

Konrad Kutt – der Gründer des Projekts Nachhaltige BücherboXX – eröffnete die Bücherbox gemeinsam mit Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne). Mit dabei waren auch der Bundestagsabgeordnete und frühere Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie Zimmerer des Sägewerks Grunewald, wo die neue Bücherbox gestaltet wurde. Die Musikerin Irene Aselmeier verlas ein Grußwort des Antisemitismusbeauftragten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg.

Das zerstörte Vorgängermodell gehört inzwischen dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und soll in einer Ausstellung über Antisemitismus gezeigt werden.

Ein 63-Jähriger hatte die Bücherbox im August 2023 angezündet und ein antisemitisches Schreiben hinterlassen. Nach einem mehrwöchigem Prozess kam der Beschuldigte gestern wieder frei. Einen Antrag der Staatsanwaltschaft, ihn dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen, lehnte das Landgericht ab. Der Mann sei bei einigen volksverhetzenden Taten in Berlin nicht schuldfähig gewesen. Aber für die Einweisung in den Maßregelvollzug seien die Vorwürfe nicht schwerwiegend genug. „Schauen Sie, dass Sie Hilfe annehmen“, riet der Vorsitzende Richter dem Mann.

  • Mitarbeit und Foto: Seval Tekdal
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