Namen & Neues

Wie die BVV-Fraktionen mehr Kitaplätze schaffen wollen

Veröffentlicht am 13.07.2018 von Cay Dobberke

Auf der Webseite des Bezirks nehmen die Charlottenburg-Wilmersdorfer BVV-Fraktionen regelmäßig Stellung zu einem „Thema des Monats“. Im Juli geht es um die Frage: „Wie setzen wir den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz um?“

Ann-Kathrin Biewener (SPD) schreibt: „Obwohl es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem 1. Geburtstag gibt, suchen viele Eltern verzweifelt nach einem Betreuungsplatz.“ Ein Ausbau der Kapazitäten „muss daher auch im Bezirk Priorität haben“. Investoren sollten verpflichtet werden, sich daran zu beteiligen. Nötig sei auch eine „finanzielle Aufwertung des Erzieherberufes und Anpassung der Erzieherausbildung an moderne Gegebenheiten“.

Susanne Klose (CDU) wirft der Verwaltung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor, den Bezirken nicht zu helfen. Charlottenburg-Wilmersdorf müsse sich „dem Ansinnen der Senatorin entgegenstellen, die Kitagruppen einfach zu vergrößern oder Fachpersonal durch Aushilfskräfte zu ersetzen“. Flächen sollten „doppelt genutzt“ werden. Man könne prüfen, „wo ein Grundstück groß genug ist, dass eine Kita auf einem Spielplatz entstehen – und die Außenfläche trotzdem als Abenteuerspielplatz am Nachmittag genutzt werden kann“. Freie Träger bräuchten mehr Unterstützung, Genehmigungsverfahren sollten beschleunigt werden.

Petra Vandrey (Grüne) fragt: „Was nutzen uns die schönsten neuen Kitas, wenn nicht genug Erzieher*innen da sind?“. Die Fraktion lehne Notmaßnahmen wie die Vergrößerung oder Zusammenlegung von Gruppen ab. Auch Vandrey spricht sich dafür aus, das Gehalt der Pädagogen „deutlich anzuheben“. Nur so werde es gelingen, „ausreichend gute Fachkräfte zu bekommen“.

Stephanie Fest (FDP) findet, man solle „Praxiszeiten für Erzieher in der Ausbildung ausdehnen und vergüten, Quereinsteiger in einem Lehrgang vor ihrem Einsatz qualifizieren, nicht berufstätige Eltern einbeziehen und Honorarkräfte aus Musik, Kunst und Sport einsetzen“. Dabei müsse das Bezirksamt die Qualität der Betreuung kontrollieren. Verwaltungs- und Bauvorschriften sollten „entschlackt werden“, damit Kitas schnell gebaut oder erweitert werden können auch von freien Trägern.

Michael Seyfert (AfD) fordert, „vorhandene Reserven bei bestehenden Trägern“ abzufragen und auch die „temporäre Unterbringung“ von Kindergruppen in modularen Bauten zu prüfen. Ähnlich wie beim Schulausbau seien „nachhaltige“ bauliche, personelle und finanzielle Maßnahmen nötig. Falls nötig, „könnte der Senat aber auch zur Bedarfsstaffelung bzw. Kostenbeteiligung zurückkehren, um die Bezirke und den Steuerzahler zu entlasten.“ Wünschenswert sei eine zentrale Warteliste für Kitaplätze.

Für Niklas Schenker (Linke) ist klar: „Wenn Private bauen, müssen sich diese am wachsenden Bedarf sozialer Infrastruktur, wie Kindertagesstätten, beteiligen.“ Für die Planung neuer Standorte solle der Bezirk aber auch eigene Liegenschaften einbeziehen. Der Fachkräftemangel könne durch mehr Ausbildungsplätze, bessere Vergütung und mehr Quereinsteiger aus anderen sozialen Berufen beseitigt werden. „Hier muss sich Senatorin Scheeres bewegen.“ Auf Bundesebene sei eine Änderung des Baugesetzbuches ratsam, um Gewerberäume wie Kitas zu schützen und Mieterhöhungen entgegenzuwirken.

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