Namen & Neues

Ideen für "menschenfreundlichere" Wilhelmsaue

Veröffentlicht am 12.04.2019 von Cay Dobberke

Gut drei Jahre nach ihrer Gründung hat die Bürgerinitiative Wilmersdorfer Mitte ihre Vorschläge für eine Aufwertung des alten Ortskerns rund um die Wilhelmsaue bei einer Anwohnerversammlung vorgestellt. Die alte Mitte sei „unter dem Asphalt der Uhlandstraße verschwunden“, beklagte der Gründer und Vorsitzende des Vereins, Matthias Reich, vor rund 130 Interessierten in der Auengemeinde. Man wolle den Kiez nicht wie früher gestalten, aber „menschenfreundlicher“ machen.

So steht es auch in einem neuen BVV-Antrag der Grünen und Linken, die darin einige der Forderungen übernehmen. Darüber sollen zunächst die Ausschüsse der Bezirksverordnetenversammlung beraten. Beschlossen ist noch nichts.

Teile der Uhlandstraße sollen verkehrsberuhigt werden. Rund um die alte Eiche an der Ecke zur Wilhelmsaue wünschen sich Reich und seine Mitstreiter einen Kreisverkehr. Außerdem regen sie an, die Zahl der Fahrbahnen im Bereich zwischen der Berliner Straße und der Blissestraße von zwei auf eine je Richtung zu reduzieren. Der so gewonnene Raum könne teilweise für neue Parkplätze genutzt werden.

Diese wiederum sind als Ersatz für einige Parkplätze gedacht, die man in der Wilhelmsaue aufgeben möchte, um deren begrünten Mittelstreifen zu verbreitern. Zu den weiteren Wünschen gehört eine Parkraumbewirtschaftung, damit die verbleibenden Stellplätze vor allem Anwohnern zur Verfügung stehen.

Platzähnliche Bereiche könnten an der Wilhelmsaue / Ecke Mehlitzstraße und an der Uhlandstraße nördlich der Eiche bis zur Berliner Straße entstehen. Das Konzept ähnelt sogenannten Begegnungszonen. Wegen deren schlechten Rufs in Berlin spricht Reich lieber von Zonen „des fairen Miteinanders“, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sein sollen.

Die Bürgerinitiative besteht aus einem harten Kern von fünf bis sieben Aktiven, rund 100 weitere Interessierte haben sich in einen E-Mail-Verteiler eingetragen. Doch nicht alle Anwohner unterstützen die Ziele des Vereins, wie die Versammlung zeigte. Teilnehmer äußerten beispielsweise die Sorge, dass die Wilhelmsaue zur „Rennstrecke“ werde, falls man die Zahl der Parkplätze reduziere. Bisher können Autos dort in zwei Spuren pro Richtung parken.

Als schärfster Kritiker erwies sich der Anwohner und Historiker Michael Roeder. Er wirft dem Verein „Parteinähe“ vor, weil der Vorsitzende Reich ein (einfaches) Mitglied der Grünen ist. Die Pläne und der BVV-Antrag seien „über die Köpfe der Anwohner hinweg“ entstanden. Reich entgegnete, die Diskussion beginne doch gerade erst richtig. Er erfuhr bei dem Treffen auch manches, das „wir bisher nicht gewusst hatten“. Denn Roeder und einige andere Redner betonten, aktuell gebe es ganz andere Probleme in der Wilhelmsaue. „Jeden Abend feiern junge Leute im Grünstreifen mit Alkohol aus dem Supermarkt“, beklagte ein Frau. Auch Drogen würden konsumiert, der Lärm sei „grausam“. Ähnlich gehe es im benachbarten Volkspark Wilmersdorf zu.

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