Namen & Neues

Unisex-Toiletten in Schulen? Das sagen die BVV-Fraktionen

Veröffentlicht am 03.05.2019 von Cay Dobberke

Um geschlechtsneutrale Toiletten an den Charlottenburg-Wilmersdorfer Schulen geht es im Thema des Monats auf der Webseite des Bezirks. Alle in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vertretenen Fraktionen nehmen dazu Stellung. Wir fassen die Beiträge hier zusammen.

Felicitas Tesch (SPD) findet: „Wir müssen es durchaus ernst nehmen, wenn Jugendliche sich keinem der herkömmlichen Geschlechter zugehörig fühlen und daher eine Unisex-Toilette bevorzugen würden.“ Über derartige WC-Anlagen zu entscheiden, sei allerdings „nicht die Aufgabe der Politik“, sondern der Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter in der Schulkonferenz.

Susanne Klose (CDU) sieht in dem Thema „nicht das Hauptproblem unserer Schulen“. Für ihre Fraktion stünden „die Gewährleistung des Unterrichts, die Vermittlung von Werten und die Sanierung der Schulen an erster Stelle“. Im Übrigen würde es vielen Schülern nach eigenen Worten schon reichen, „wenn die vorhandenen Toiletten sauber, funktionstüchtig und abschließbar wären“.

Christoph Wapler (Grüne) hält es für merkwürdig, dass viele rechte Politiker „sich über wenig so aufregen wie über genderneutrale Toiletten“. Diese gebe es längst vielerorts, auch in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus Charlottenburg. „Schultoiletten allein schützen noch nicht vor Mobbing und Diskriminierung“, räumt Wapler ein. Darüber hinaus sei aber in jeder Schule „der Abbau von Vorurteilen und der offene Umgang mit sexueller Identität“ ein Teil des Bildungsauftrags.

Stephanie Fest (FDP) schlägt vor, „behutsam zu erproben“, ob Unisex-Toiletten in der Schule zu weniger Diskriminierung führen – oder aber diese sogar noch verstärken. „Die Schulgemeinschaft wird sich dieser Herausforderung stellen. Dann wird sich zeigen, ob Unisex-Toiletten akzeptiert und von betroffenen Kindern und Jugendlichen selbstverständlich angenommen werden.“ Die bauliche Umsetzung „mag schon nicht einfach sein“, viel größer seien jedoch die „pädagogischen Schwierigkeiten“.

Jan von Ertzdorff-Kupffer (AfD) hält einfache und kostengünstige Lösungen für möglich. Beispielsweise könnten Behindertentoiletten als „neutral“ beschildert werden. Auch bei „sonstigen Herausforderungen“ wie den Umkleideräumen für den Sportunterricht „sollte nach vorhandenen Überschneidungen mit sonstigen inklusiven Angeboten gesucht werden“.

Annetta Juckel (Linke) findet es sinnvoll, „bestehende Toiletten auch als ,All-Gender-Toiletten‘ anzubieten, wenn dadurch trans, inter oder non-binäre Menschen davor bewahrt werden, Anfeindungen zu erfahren oder sich einem Geschlecht zuzuordnen, dem sie sich nicht zugehörig fühlen“.

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