Namen & Neues

Luxusmodernisierung trotz Ensembleschutz

Veröffentlicht am 21.06.2019 von Cay Dobberke

Die nächste Luxusmodernisierung zulasten von Bestandsmietern bahnt sich an der Deidesheimer Straße 8 im südöstlichen Wilmersdorf an. Der Eigentümer hat Umbauten angekündigt, obwohl das 1910 errichtete Haus zusammen mit Nachbargebäuden seit 1995 unter einem „Ensembleschutz“ steht.  Unter anderem soll das Dachgeschoss ausgebaut werden, um zweistöckige Maisonette-Wohnungen darin und in der vierten Etage darunter zu schaffen. Dafür ist auch ein neuer Fahrstuhl geplant. Die bisherigen Bewohner des vierten Stocks müssten ausziehen und andere mit einer deutlich höheren Miete rechnen. Dem Vernehmen nach möchte der Eigentümer außerdem die Grundrisse aller Wohnungen für „offene Küchen“ ändern.

„Die wollen uns heraushaben, um Eigentumswohnungen zu bauen“, sagte ein Hausbewohner in der jüngsten Sitzung des BVV-Stadtentwicklungsausschusses. Die Bezirkspolitiker schienen sich einig darin zu sein, dass die Mieter geschützt werden sollten und das Gebäude in der jetzigen Form erhaltenswert sei. Doch es ist wohl schon zu spät: Vor etwa zwei Wochen genehmigte das Bezirksamt die Modernisierungen.

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) begründete dies mit der Haltung des Berliner Landesdenkmalamts (LDA). Nach dessen Ansicht sei nur noch wenig von der historischen Bausubstanz übrig. Vor sechs Wochen habe das Denkmalamt sogar mitgeteilt, die Aufhebung des Ensembleschutzes zu prüfen. Tatsächlich war beispielsweise die Originalfassade im Zweiten Weltkrieg zerstört und später durch eine braune Rauputzfassade ersetzt worden.

Anders als die Landesbehörde halte die beim Bezirk angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde den Ensembleschutz aber weiterhin für gerechtfertigt, sagte die SPD-Bezirksverordnete Christiane Timper. So sehe es auch der von ihr geleitete, ehrenamtliche Denkmalbeirat der BVV, dem Architekturhistoriker und andere Fachleute angehören. „Das Hauptproblem ist das LDA“, findet Timper. Damit widersprach sie der FDP-Fraktion, die den Personalmangel in der Unteren Denkmalschutzbehörde kritisierte und darin eine der Ursachen für die Entwicklung an der Deidesheimer Straße sah.

Nun scheint guter Rat teuer. Das Bezirksamt will den Vorgang „aufarbeiten“ und überlegen, welche Möglichkeiten verbleiben. Stadtrat Schruoffeneger zeigte sich skeptisch. Die Umbaugenehmigung könne man höchstens widerrufen, wenn das Haus zum Einzeldenkmal aufgewertet würde (im Vergleich dazu ist Ensembleschutz weniger streng). Ein solches Vorgehen setze aber voraus, das sich das Landesdenkmalamt doch noch vom Wert des Hauses im jetzigen Zustand überzeugen ließe.

Anzeige