Namen & Neues

Händler fordern Aufwertung der Wilmersdorfer Straße

Veröffentlicht am 18.10.2019 von Cay Dobberke

Berlins älteste Fußgängerzone ist der mittlere Teil der Wilmersdorfer Straße zwischen dem Stuttgarter Platz und der Schillerstraße schon seit 41 Jahren ist die Gegend autofrei. Bei Passantenzählungen in Einkaufsstraßen gehört die Fußgängerzone stadtweit regelmäßig zu den Top 10. Aber war sie jemals wirklich schön? Als besonders gemütlich gilt sie zumindest nicht. Und seit einiger Zeit beobachten Gewerbetreibende eine zunehmende Verwahrlosung. „Es war noch nie schlimm wie jetzt und geht sukzessive bergab“, sagt der Apotheker Thomas Bong, der die Anrainer seit fast 20 Jahren als Vorsitzender der AG Wilmersdorfer Straße vertritt.

Bereits im Frühjahr habe er Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) und Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) einen „Brandbrief“ gesandt, sagt Bong. Er kontaktierte auch den für Wirtschaftsförderung zuständigen Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD), den CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler und den Berliner SPD-Abgeordneten Frank Jahnke. Bei einem Rundgang mit dem Tagesspiegel wies Bong in dieser Woche auf einige der Probleme hin.

Zum Beispiel leiden einige junge Straßenbäume, von denen manche erst vor einem Jahr gepflanzt wurden, unter den Fahrrädern, die Besucher der Straße ständig auf den Baumscheiben abstellen. Dadurch weisen die Baumrinden viele Schäden auf. Rundum sind Pflastersteine abgesackt oder aus dem Boden gebrochen. Bong wünscht sich eine etwa 30 Zentimeter hohe Umzäunung der Bäume. Innerhalb dieser könne die AG der Gewerbetreibenden dann Blumen pflanzen.

Die Aufenthaltsqualität habe „deutlich nachgelassen“, findet der Geschäftsführer des Media Markts im Kant-Center, Marco Wegener. „Gründe sind unter anderem die vielen Baustellen und auch sogenannte Drückerkolonnen, von denen sich die Kunden belästigt fühlen.“ Damit meint Wegener nicht zuletzt die vielen Organisationen und Vereine, die mit Ständen und Werbe-Teams auf sich aufmerksam machen. Das führe „zu einem Rückgang der Kundenfrequenz auf der Straße und in den Geschäften“.

Über „aggressive Werber“, die „Bettelei“ und viele „Fahrradleichen“ ärgert sich auch der Filialleiter des Karstadt-Kaufhauses, Torsten Dunkelmann. Das Ordnungsamt solle die Straße öfter einmal „durchkämmen“, statt „nur Falschparkern hinterherzujagen“. Karstadt bleibe der Straße dennoch eng verbunden. Nach der Schließung des nahen Modekaufhauses Peek & Cloppenburg investiere man derzeit in eine eigene neue „Fashion-Etage“.

Ein paar positive Entwicklungen sieht der Centermanager der Wilmersdorfer Arcaden, Felix Niecke. Das Center wird derzeit für rund 40 Millionen Euro umgebaut und modernisiert. Die meisten Arbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Voraussichtlich im nächsten Frühjahr sollen eine neue Fassade und eine „Markthalle“ hinzukommen. Zu den Erfolgen der AG Wilmersdorfer Straße zählt Niecke einige neue Sitzbänke. Außerdem sei der vom Center bezahlte „Straßenmeister“ wieder draußen unterwegs, er berate Passanten und bekämpfe die Vermüllung. Die Drogenszene rund um den Stuttgarter Platz bleibe ein Problem, sei aber „nicht mehr so auffällig“.

Zu den vielen Baustellen haben Thomas Bong und seine Mitstreiter ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits werde das Straßenbild natürlich beeinträchtigt, sagen sie, andererseits zeige sich in den Projekten das anhaltende Interesse an der Fußgängerzone. Beispielsweise baut der Investor MREI gerade ein Wohn- und Geschäftshaus zwischen der Pestalozzi- und der Kantstraße.

Die mögliche Verlängerung der Fußgängerzone, über die aktuell in der BVV diskutiert wird, ist laut Bong eigentlich eine Idee der Straßen-AG. Im Norden soll die autofreie Zone bis zur Bismarckstraße vergrößert werden. Centermanager Niecke erhofft sich davon einen „neuen Naherholungsort“, der auch wieder mehr Anwohner aus der Gegend um die Otto-Suhr-Allee anlocken könne. Die Wilmersdorfer Arcaden und alle anderen Läden in der Straße seien vor allem „Nahversorger“. Deshalb könne man sich weiterhin gut gegen die vielen Shoppingcenter in anderen Berliner Bezirken behaupten, der Weg dorthin sei vielen Charlottenburger Bürgern zu lang.