Namen & Neues

Neubauprojekt am Rathaus Charlottenburg

Veröffentlicht am 06.03.2020 von Cay Dobberke

Anwohner kennen das denkmalgeschützte Postgebäude an der Otto-Suhr-Allee zwischen dem Rathaus Charlottenburg und der Warburgzeile als großen Rewe-Supermarkt und Postbank-Filiale. Nun sollen entlang der Warburgzeile, wo bisher einstöckige Garagen stehen, vier weitere Etagen hinzukommen. Für eine bislang ungenannte Immobilienfirma plant das Büro Enno Schneider Architekten 305 „Mikro-Appartements“ mit je 17 bis 30 Quadratmetern Fläche, die für Studenten oder Singles gedacht sind. Zusätzlich sind Büros für „Co-Working“ geplant. Auch der Innenhof und ein dortiger alter Klinkerbau, der großenteils leer steht, werden umgestaltet.

Als Besonderheit könne auf dem begrünten Dach gejoggt werden, sagte Architekt Schneider im BVV-Stadtentwicklungsausschuss. Im Hof entstehe auch ein kleiner Spielplatz. Die Bauarbeiten sollen gegen Ende dieses Jahres beginnen, die Baugenehmigung liegt bereits vor. Durch die Kritik eines Architekten, der privat als Gast an der Präsentation teilnahm, entbrannte im Ausschuss eine kurze Diskussion darüber, ob die geplante Lochraster-Fassade zur Otto-Suhr-Allee passe. Beispielsweise fand der CDU-Bezirksverordnete Jürgen Lautsch die Architektur „etwas massiv“.

An der Otto-Suhr-Allee ändere sich aber gar nichts am Baudenkmal aus den 1930-er Jahren, betonte Enno Schneider später im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Tatsächlich zeigen seine Entwürfe nur die Gebäude an der Warburgzeile (eine Simulation finden Sie hier) und den Hof. Rewe und die Postbank sind nicht betroffen und können bleiben. Dem Vernehmen nach plant der Supermarkt allerdings selbst eine Modernisierung seiner Räume. Die Kundenparkplätze im Hof entfallen mit Ausnahme von zwei Behindertenparkplätzen. Als Ersatz ist eine Tiefgarage vorgesehen. Lastwagen sollen den Supermarkt über eine Lieferzone an der Otto-Suhr-Allee mit Lebensmitteln versorgen, dafür müssen ein paar der dortigen Parkplätze weichen.

Auch ein Café oder Restaurant ist im hinteren Teil des Gebäude-Ensembles angedacht. Nebenan residiert das Standesamt in der Villa Kogge an der Straße Alt-Lietzow. Zwischen dem Standesamt und dem Hof wird eine „Grünverbindung“ erwogen. Die Frage, ob in einem neuen Restaurant auch mit großen Sälen für Hochzeitsfeiern zu rechnen sei, konnte der Architekt noch nicht beantworten.

Die Beschränkung auf Mikro-Appartements beim Wohnungsbau stieß im Ausschuss auf wenig Begeisterung, weil Familien nicht als Mieter infrage kommen. Ansgar Gusy (Grüne) nannte es „schade, dass keine Durchmischung geplant ist“. Auch FDP-Vizefraktionschef Johannes Heyne störte sich am „fehlenden Wohnungsmix“. Dafür machte er aber nicht die Planer, sondern die Wohnungspolitik der rot-rot-grünen Berliner Landesregierung verantwortlich. Angesichts von Maßnahmen wie dem neuen Mietendeckel ließen sich familiengerechte Neubauten „nicht finanzieren“. Architekt Schneider sagte, es sei zumindest denkbar, ein paar der Mikro-Appartements später einmal zusammenzulegen, um Raum für Wohngemeinschaften zu schaffen.