Namen & Neues

Kompromissvorschlag für neues Autobahndreieck

Veröffentlicht am 15.05.2020 von Cay Dobberke

Um den Streit um die Modernisierung der Stadtautobahn am Dreieck Funkturm zu entschärfen, will die staatliche Projektgesellschaft Deges die geplante neue Anschlussstelle Messedamm an der Avus (A 115) verlagern. Sie soll nicht mehr an der Ecke Jafféstraße mit einer großen Kreuzung neben der Siedlung Eichkamp entstehen, sondern nördlich der Avus-Tribüne. Gegen das ursprüngliche Konzept hatten der Siedlerverein Eichkamp sowie Bezirks- und Landespolitiker protestiert.

Die angedachten Änderungen wurden jetzt im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt. Eine Präsentation finden Sie auch hier auf der Webseite der Deges. Der Berliner Bereichsleiter Andreas Irngartinger gab zu, die alte Planung sei „nicht auf Akzeptanz gestoßen“. Besonders an einer Höherlegung der Avus um vier Meter habe es „harte Kritik“ gegeben, auch weil damit der Bau von sieben Meter hohen Lärmschutzwänden verbunden gewesen wäre. Bei der alternativen Variante seien diese Maßnahmen nicht mehr nötig.

Wegen anderer Nebenwirkungen stößt aber auch diese Lösung teilweise auf Kritik. Die Deges rechnet nämlich damit, dass die Anschlussstelle „weniger attraktiv“ für Verkehrsteilnehmer wird und mehr Fahrzeuge die Aus- und Zufahrten der A 100 am Spandauer Damm, Kaiserdamm und Kaiserdamm Süd durchqueren werden. Das Kiezbündnis Klausenerplatz freut sich in einer Erklärung darüber, dass die „Neuplanung die Menschen in Eichkamp entlastet“. Andererseits würden Anwohner rund um den Kaiserdamm „mit noch deutlich mehr Verkehr belastet“. Dazu trage auch die angekündigte Schließung der bisherigen Anschlussstelle Messedamm an der Halenseestraße bei.

Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz sagte: „Ein Gesamtkunstwerk ist das noch nicht.“ Seine Fraktionskollegin Ülker Radziwill teilte am heutigen Freitag mit, sie begrüße es, dass Anwohnern in Eichkamp eine große Lärmschutzwand erspart bleibe und das Verkehrsaufkommen in ihrer Nachbarschaft reduziert werde. Doch auch sie findet: „Ziel der weiteren Planung muss sein, dass der Umbau des AD Funkturms nicht zu mehr abfließendem Verkehr im nördlichen Bereich führt. Die Kieze entlang der Knobelsdorffstraße müssen vor mehr Verkehr geschützt werden.“

Ähnlich äußerte sich die FDP-Fraktion im Bezirk. Der Vize-Vorsitzende Johannnes Heyne schrieb: „Wir müssen dringend darauf achten, dass die Mehrbelastung in Westend nicht ausufert!“ Außerdem fehle der sowohl in der BVV als auch im Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Vorschlag, die A 100 stellenweise zu überdeckeln. Darüber hinaus sei „die Erreichbarkeit des Zentralen Omnibusbahnhofs Berlin (ZOB) noch nicht optimal gelöst“.

Letzteres sieht auch der für Bauen und Verkehr zuständige Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) so. „Richtig strittig“ bleibe die von der Deges geplante Schließung der Aus- und Zufahrten an der Halenseestraße, die näher am ZOB liegen als die künftige Anschlussstelle Messedamm, sagte er im BVV-Verkehrsausschuss. Erleichtert zeigte er sich aber darüber, dass „das Problem Jafféstraße deutlich entschärft“ sei. Mehr zum Thema können Sie auf tagesspiegel.de lesen.