Namen & Neues

Muss der Olympiapark entnazifiziert werden? Eine Begehung

Veröffentlicht am 11.09.2020 von Cay Dobberke

An der denkmalgeschützten „NS-Ästhetik“ im Olympiapark mit „germanischen, dem Nazi-Körperkult huldigenden Skulpturen“ störte sich der ehemalige Berliner Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ – und löste mit seiner Forderung, die Relikte zu entfernen, viele Debatten aus.

In dieser Woche ließen sich Mitglieder des BVV-Kulturausschusses und des Denkmalbeirats Charlottenburg-Wilmersdorf über das Gelände führen. Nutzer des Olympiaparks widersprachen Strieder. Rainer Lampe von der Agentur Runze + Casper, die im Auftrag der Olympiastadion Berlin GmbH regelmäßig Rundgänge veranstaltet, zeigte sich „erstaunt und verärgert“ über die auch von der bezirklichen FDP-Fraktion geäußerte Behauptung, die NS-Vergangenheit werde zu wenig historisch kommentiert. Bei allen Führungen und besonders bei den Angeboten für Schüler gebe es einen „geschichtlichen Schwerpunkt“.

Matthias Rösner leitet die Poelchau-Schule als „Eliteschule des Sports“ des Deutschen Olympischen Sportbunds. Geschichte „lebt davon, dass wir darüber reden“, findet er. In der Oberstufe der Schule gebe es einen Kurs über die nationalsozialistische Gestaltung des Olympiaparks. Die von Ex-Senator Strieder kritisierten Wandgemälde mit Parolen wie „Kraft im Schlagen – Kraft im Ertragen“ (ein Foto finden Sie hier) befänden sich in einem Bereich, in dem Schüler selten unterwegs seien.

Die alten Skulpturen und Bilder seien „alle Dokumente“, die nicht einfach beseitigt werden sollten, sagte die SPD-Bezirksverordnete und Vorsitzende des Denkmalbeirats, Christiane Timper. Sie fotografierte auch die Texte von Infostelen, um später über deren Aussagekraft zu diskutieren. Die FDP-Fraktion hat in der BVV beantragt, dass die Erläuterungstafeln „überprüft und gegebenenfalls verändert werden, um die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Areals auch zur NS-Zeit noch stärker in den Blick zu nehmen“. Zusätzlich seien digitale Angebote denkbar. Bauliche Veränderungen darf es Ansicht der FDP „nur im Einklang mit den Vorgaben des Denkmalschutzes“ geben.

Einige Überbleibsel aus der Nazizeit sind schon lange entfernt, darunter Bilder von Adolf Hitler und anderen NS-Politikern sowie zahlreiche Hakenkreuze.