Namen & Neues

Kleingärten müssen Autobahnbrücken weichen

Veröffentlicht am 02.10.2020 von Cay Dobberke

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Rund 190 Kleingärten sollen dem Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke weichen, wenn die Charlottenburger Abschnitte der Stadtautobahn A 100 voraussichtlich ab dem Jahr 2023 modernisiert werden. Können die betroffenen Pächter oder Politiker etwas tun, um wenigstens einen Teil der Gärten zu retten? Darum ging es bei einem Gespräch, zu dem der Berliner CDU-Abgeordnete Andreas Statzkowski ins Haus des Bezirksverbands der Kleingärtner eingeladen hatte.

„Wir können und wollen den Neubau nicht verhindern“, sagte der Präsident des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde, Michael Matthei. Der marode Zustand der Rudolf-Wissell-Brücke sei „unstrittig“. Er erinnere sich noch daran, das sie bereits wenige Jahre nach ihrem Bau als Sanierungsfall galt. Leider habe ein Vorschlag des Bezirks, den Autobahnverkehr durch Tunnel zu führen, an dieser Stelle wohl keine Chance. „Schlimm“ findet Matthei vor allem, dass im Planungsverfahren ein „Projekt gewonnen hat, das mehr vernichtet als notwendig ist“.

Zwei neue Brücken sollen im Abstand von 60 Metern gebaut werden. Der Abstand sei viel zu groß, kritisierten Matthei, Statzkowski und Vertreter betroffener Kleingartenkolonien. Würden die Brücken näher beieinander angelegt, könnten etwa 20 Prozent der bedrohten Parzellen gerettet werden, schätzt der Landesverband.

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf war bei der Veranstaltung nicht vertreten, hat aber ebenfalls schon gegen den 60-Meter-Abstand protestiert. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) schrieb die federführende staatliche Planungsgesellschaft Deges und die Berliner Verkehrsverwaltung an.

Viele Fragen sind noch offen, wie die Diskussion zeigte. Beispielsweise wissen die Kleingärtner nicht, ob sie auf Ersatzflächen hoffen können und inwieweit sie finanziell entschädigt werden. Unklar ist auch, was langfristig aus vielen der Parzellen wird, die nur vorübergehend für die Baustellenlogistik benötigt werden.

Ob später einmal wieder Kleingärten entstehen können, sei noch immer nicht klar, ärgert sich Andreas Statzkowski. Er hat zum Umbau der A 100 schon etwa 30 parlamentarische Anfragen an den Berliner Senat gestellt und will damit weitermachen. Die Kleingärtner bräuchten „jetzt eine Zusage beziehungsweise Aussage“ der Landesregierung. Sein Engagement sei nicht parteipolitisch motiviert, betonte Statzkowski, er kandidiere ja nicht noch einmal für das Abgeordnetenhaus.