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Neue Poller in der Prinzregentenstraße können Autofahrer nicht stoppen

Veröffentlicht am 22.01.2021 von Cay Dobberke

Damit Autofahrer endlich nicht mehr verbotenerweise die Prinzregentenstraße in Wilmersdorf durchqueren, die seit rund zehn Jahren als Fahrradstraße ausgewiesen ist, hat das Bezirksamt endlich eine „Diagonalsperre“ mit Pollern an der Ecke Durlacher Straße errichtet. Doch prompt gibt es Kritik. Das „Netzwerk Fahrradfreundliches Charlottenburg-Wilmersdorf“ postete bei Twitter vier Fotos, um zu zeigen, dass Autos noch immer durch die Sperre passen. Die BVV-Linksfraktion kommentiert dies mit der an das Bezirksamt gerichteten Frage: „Nicht euer Ernst???“.

Bau- und Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) reagiert gelassen. An diesem Freitag „kommt noch ein weiterer Poller hin“, sagte er uns. Danach betrage die Lücke rund 2,20 Meter. Und das entspreche dem Berliner „Leitfaden zur Umsetzung von Fahrradstraßen“ (den es hier als pdf-Datei gibt). Demnach gehören zu einem 1,75 Meter breiten Radstreifen beiderseits „Sicherheitsabstände“ von je 25 Zentimetern zu den Pollern. Damit lasse sich nicht völlig verhindern, dass Autofahrer hindurchfahren, gibt Schruoffeneger zu. Andererseits findet er die Sperre „deutlich genug“. Im November hatte er angekündigt, notfalls auf die Sicherheitsabstände zu verzichten. Ob das nötig wird, müsse sich erst noch zeigen, sagt der Stadtrat.

Der Stadtrat interpretiere den Leitfaden falsch, erwidern Menschen, die sich in der Fahrrad-Initiative engagieren. Schruoffenegers Berechnung sei nirgends in dem Papier zu finden. Im Gegenteil stehe dort die Angabe, dass Poller mit einem Abstand von maximal 1,75 Meter aufzustellen seien, um Autodurchfahrten zu verhindern. Davon wären je 25 Zentimeter an beiden Seiten abzuziehen, woraus sich eine Breite von 1,25 Meter für den Radstreifen ergebe.

„Das Ding sieht aus wie der Versuch, Initiativen aus der Zivilgesellschaft mürbe zu machen, damit der jahrzehntealte Amts- und Stadtratsstiefel in Ruhe weitergehen kann“, kommentiert mein Kollege Markus Hesselmann. „Wird allerdings kaum gelingen, weil Initiativen wie das Fahrrad-Netzwerk nicht wirken, als ob sie sich mürbe machen ließen.“ Das Thema wird uns also weiter beschäftigen.