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So sicher fühlen sich Besucher des Breitscheidplatzes

Veröffentlicht am 12.02.2021 von Cay Dobberke

Nur wenige Minuten nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 begann für Dirk Schipper-Kruse sein Einsatz rund um den Breitscheidplatz, damals leitete er den Führungsdienst im Charlottenburger Polizeiabschnitt 25. Rund einen Monat vorher war er schon einmal zum Breitscheidplatz geilt, als es auf dem Dach des Europa-Centers brannte. Mit der Gegend im Herzen der City West verbinden ihn viele Erinnerungen.

Auch deshalb hat sich der heutige Polizeioberrat, der seit 2018 an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin tätig ist, mit den Folgen der Sicherheitsmaßnahmen nach dem Anschlag beschäftigt. Als Fachmann für polizeiliche Einsatzlehre gehört es zu Schipper-Kruses Aufgaben, darüber nachzudenken, welche Maßnahmen in einer bestimmten Situation angemessen sind und wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

„Wie sicher fühlen Sie sich heute?“, lautet der Titel seiner „Fallstudie zum Sicherheitsempfinden am Berliner Breitscheidplatz“. Am Donnerstag stellte er sie in einer Videokonferenz des Unternehmervereins AG City vor. Die Befragung von mehr als 800 Weihnachtsmarktbesuchern auf dem Breitscheidplatz im November bis Dezember 2019 zeigte vor allem eines: Starke Polizeipräsenz erhöht das subjektive Sicherheitsempfinden unter den Passanten – allerdings nur, wenn die Beamten nicht schwer bewaffnet sind.

Jeweils vier Tage lang hatten sich Polizisten in drei verschiedenen „Präsenzstufen“ auf dem Platz postiert. „Sehr sicher“ fühlten sich 61,1 Prozent der Befragten schon bei der geringsten Stufe, in der uniformierte Beamte des Abschnitts 25 zu sehen waren. Auf 63,1 Prozent stieg der Wert, als Kräfte der Direktion 2 im Einsatzeinzug hinzukamen und sich die Zahl der Polizisten damit ungefähr verdoppelte.

Das „demonstrative Tragen von Maschinenpistolen“ in der höchsten Präsenzstufe erwies sich dagegen als kontraproduktiv, zumindest in der Wirkung auf die Weihnachtsmarktbesucher. Nur noch 50,9 Prozent der Befragten fühlten sich insgesamt sehr sicher. Speziell Maschinenpistolen seien „weniger oder nicht hilfreich“, um das Sicherheitsempfinden zu steigern, fanden 59,1 Prozent der Umfrageteilnehmer. In Gesprächen stellte sich heraus, dass viele Leute mit einer erhöhten Gefahr rechnen, wenn Polizisten ungewöhnlich stark bewaffnet auftreten.

Außerdem hätten die Beamten dann „weniger zugänglich gewirkt“, stellte Schipper-Kruse fest. Das zeigen auch Videos, die aus der Vogelperspektive aufgenommen wurden. Ein Touristenpaar, das den als „Wasserklops“ bekannten Weltkugelbrunnen fotografieren wollte, fragte einen Polizisten mit Maschinenpistole nur zögerlich, ob das erlaubt sei. Die meisten Passanten machten einen großen Bogen um den Beamten. Dagegen wurde ein anderer Polizist ohne Maschinenpistole, der seine Hände in die Hosentaschen gesteckt hatte, oft angesprochen und beispielsweise um Auskünfte gebeten.

Je nach ihrer Nationalität antworteten die Befragten unterschiedlich. Eine klare Mehrheit der Deutschen störte sich an Polizisten mit Maschinenpistolen, während die meisten amerikanischen und britischen Berlin-Besucher den Anblick positiv bewerteten.

Über eine Verschandelung des Platzes durch die großen Poller und Lkw-Sperren ärgern sich viele Anrainer und andere Berliner. Die Senatsinnenverwaltung hat ein neues Sicherheitskonzept angekündigt, doch davon ist noch nichts zu sehen. In der Studie ging es allerdings nicht um ästhetische Fragen, sondern nur darum, ob deutlich sichtbare Absperrungen das Sicherheitsgefühl erhöhen. 79,3 Prozent der Befragten bejahten dies. Die größte „Akzeptanz“ zeigte sich unter Besuchern, die von dem drei Jahre zuvor verübten Anschlag wussten. Viele sprachen sich außerdem für eine mobile Polizeiwache aus. Dirk Schipper-Kruse empfiehlt „vertrauensbildende Maßnahmen“, zu denen auch Infostände der Polizei gehören könnten.

Bereits im Dezember hatte Schipper-Kruse die Studie in einer Online-Konferenz des „Forschungsinstituts für öffentliche und private Sicherheit Berlin“ vorgestellt, das zur Hochschule für Wirtschaft und Recht gehört. Seine damalige Präsentation finden Sie auf der Webseite des Instituts.