Namen & Neues

Huthmacher-Haus am Zoo wird zwei Jahre lang saniert

Veröffentlicht am 05.03.2021 von Cay Dobberke

Für den Architekten Dionys Ottl ist Bikini Berlin am Zoo „eines der lebensprägenden Projekte“, mit dem er sich bis heute „sehr eng verbunden“ fühlt. Von 2012 bis 2014 hatten er und zwei Kollegen aus dem Büro Hild und K Architektur das alte Bikini-Haus zum modernen Einkaufszentrum umgestaltet. Nun leitet Ottl auch die Sanierung des als „Huthmacher-Haus“ bekannten weißen Hochhauses am Hardenbergplatz. Es gehört ebenfalls zum denkmalgeschützten Gebäudekomplex, der in den 1950-er Jahren unter den Namen „Zentrum am Zoo“ entstanden war.

Frühere Pläne, den 15-stöckigen Turm durch ein größeres neues Bürohaus zu ersetzen, sind inzwischen vom Tisch. Das Landesdenkmalamt und andere Behörden hatten eine Abrissgenehmigung verweigert. Daraufhin gab der Investor Newport Holding sein Bauprojekt im vorigen Herbst auf und annullierte einen Kaufvertrag mit der Immobilienfirma Bayerische Hausbau, die nun wieder der Eigentümer ist. Ihr gehören auch alle anderen Bauten im „Bikini Berlin“.

Das Huthmacher-Haus werde „bis auf die Bausubstanz“ entkernt, kündigte Architekt Ottl in einer Online-Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Charlottenburg-Wilmersdorf an. Trotzdem „beeinträchtigen wir das Denkmal nicht“. Schützenswerte Elemente würden nicht angetastet. Außerdem „bleibt die Fassade, wie sie ist“, sagte Sprecherin Sabine Hagn von der Bayerischen Hausbau – obwohl die heutige Aluminiumfassade aus dem Jahr 1985 stammt und nicht mehr der originalen Gestaltung mit Sichtbeton gleicht. Das Weiß dürfte künftig allerdings heller wirken, weil eine Grundreinigung das Äußere „auffrischen“ soll.

Die unteren zwei Etagen werden von der Sanierung ausgenommen. Damit können mehrere Lokale ihre Räume behalten, auch wenn sie derzeit im Corona-Lockdown geschlossen sind oder sich auf den Außer-Haus-Verkauf beschränken müssen. Das Innere der dritten Etage wurde bereits in einer Testphase zurückgebaut. „Es gibt so gut wie keine Dokumente“, sagte Ottl. Deshalb habe man die Struktur und den Zustand der Räume zunächst erkunden müssen. Im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres wollen der Architekt und die Bayerische Hausbau die Arbeiten ausweiten. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2023 geplant.

Das Ziel lautet, den Brandschutz zu verbessern und die „technische Gebäudeausrüstung“ zu modernisieren. Beispielsweise werden Wasserleitungen, Lastenaufzüge, Toiletten und Böden erneuert. Die Decken und Flurwände will Ottl einheitlicher gestalten. Unbekannt ist noch, welche neuen Nutzer einziehen könnten. Im Laufe des vorigen Jahres waren sämtliche Büros im Haus entmietet worden.

1955 bis 1957 war das Huthmacher-Haus nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger entstanden. Sein Name erinnert an das einstige Café Huthmacher in der ersten Etage, das ein beliebtes Tanzlokal war. Anfangs hieß der Turm auch „DOB-Hochhaus“, weil Hersteller von Damen-Oberbekleidung darin Büros und Ausstellungsräume betrieben. Bekannt wurde das Gebäude nicht zuletzt als Standort des ersten Berliner McDonald’s-Restaurants. Es hatte 1983 eröffnet und ist heute ein arabisches Schnellrestaurant. Die Hamburger-Kette zog 2016 in die „Terrassen am Zoo“ im gegenüber liegenden Bahnhof um.