Namen & Neues

Bezirk schlägt neues Sicherheitskonzept für den Breitscheidplatz vor

Veröffentlicht am 01.04.2021 von Cay Dobberke

Seit Jahren kritisieren Anrainer und Besucher des Breitscheidplatzes dessen Verschandelung durch massive Lkw-Sperren mit eingebauten Pollern und Metallgitterkörbe, in denen Sandsäcke stecken. Es nutzte nur wenig, dass die Gitterkörbe nach einiger Zeit mit mehrfarbigen Planen überzogen wurden, auf denen das Wort „Berlin“ und eine stilisierte Skyline zu sehen sind. Ab dem April 2021 sollten die provisorischen Absperrungen durch optisch weniger störende Barrieren ersetzt werden. Doch davon ist noch nichts zu sehen (Foto hier).

Unstrittig ist, dass der Breitscheidplatz im Herzen der westlichen Innenstadt vor Terroranschlägen wie im Dezember 2016 geschützt werden muss, als ein islamistischer Attentäter einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche gesteuert hatte. Damals wurden zwölf Menschen getötet und viele weitere verletzt. Die Schutzmaßnahmen führten aber zu Protesten der Kirchengemeinde um Pfarrer Martin Germer und von Hoteliers aus der Umgebung.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) kündigte schließlich ein neues Sicherheitskonzept an. Auch dieses blieb aber umstritten – vor allem wegen einer geplanten vier Meter hohen und 16 Meter breiten Betonbarriere mit „Berlin“-Schriftzug. „Wir halten den Überfahrschutz und das Gesamtkonzept zum Schutz des Breitscheidplatzes nach wie vor für richtig“, sagt der Sprecher der Innenverwaltung, Martin Pallgen. Der Berlin-Schriftzug hätte zwei Dinge miteinander verbunden: einen „effektiven Anti-Terrorschutz“ und einen „attraktiven Anziehungspunkt für die Gäste unserer Stadt und die Berlinerinnen und Berliner“. Die Innenbehörde wolle dies aber nicht gegen den Willen vieler Beteiligter durchsetzen.

Das  Landesdenkmalamt und die Untere Denkmalschutzbehörde im Bezirk, Pfarrer Germer und der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) befürchteten, dass der Blick auf das denkmalgeschützte Ensemble der Gedächtniskirche beeinträchtigt würde. Außerdem fand Germer den Schriftzug „zu banal“. Schruoffeneger attestierte dem Vorhaben ironisch „den Charme einer westdeutschen Kleinstadt der 1970-er Jahre“. Die Innenverwaltung bat das Architektenbüro Spreeformat um eine Überarbeitung seines Entwurfs, konnte die Kritik aber nicht beenden.

Im Moment lägen alle Pläne „auf Eis“, sagt Behördensprecher Pallgen. Laut Stadtrat Schruoffeneger hat das Bezirksamt inzwischen aber eigene Vorschläge für veränderte Sicherheitsmaßnahmen gemacht. Das Konzept sei drei Senatsstellen – der Innenverwaltung, der Stadtentwicklungsverwaltung und der Verkehrsverwaltung – zugegangen. Diese müssten nun eine Senatsvorlage erarbeiten. Mit den Bauarbeiten „möchte ich eigentlich in vier Wochen beginnen“, sagt Schruoffeneger. Einzelheiten nennt er noch nicht, weil die Ämter bis zu den Senatsberatungen „Vertraulichkeit vereinbart“ hätten.

Wann und wie es wieder Veranstaltungen auf dem Breitscheidplatz geben kann, bleibt wegen der Corona-Pandemie fraglich. Zuletzt durfte der Weihnachtsmarkt nur mit einzelnen Buden stattfinden, die weit voneinander entfernt standen. Und selbst diese mussten nach zwei Wochen wegen des Lockdowns abgebaut werden. Die meisten Läden rundum haben geschlossen. Wegen des Beherbergungsverbots in Hotels kommen so gut wie keine Touristen mehr. Das entschärft den Konflikt um die hässlichen Barrieren ein wenig. Zurzeit sieht sie ja kaum jemand.