Namen & Neues

Künstlerkolonie in Wilmersdorf zurückerwerben

Veröffentlicht am 04.06.2021 von Sophie Rosenfeld

Die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia hat den Aktionären der Deutschen Wohnen ein Übernahme-Angebot unterbreitet. Aus Vonovia und Deutsche Wohnen wird damit das Unternehmen Vonovia SE, das aus Bochum und Berlin geführt werden soll. Die Deutsche Wohnen besitzt rund 113.000 Wohnungen in Berlin, Vonovia 43.000. Die insgesamt knapp 160.000 Wohnungen in Berlin und die knapp 500.000 in Deutschland entsprechen dabei einem Wert von 80 Milliarden Euro. Die Fusion der beiden Konzerne bietet der Stadt die Möglichkeit, rund 20.000 Wohnungen zu kaufen, die damit an Berlin zurückgehen. Jüngst setzte sich die Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ dafür ein, Immobilien von Berliner Unternehmen zu vergesellschaften.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sagte, er habe bereits im Mai 2019 gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) in einem Schreiben an die zuständigen Senatsverwaltungen für einen Rückkauf der Künstlerkolonie Berlin nahe dem Breitenbachplatz geworben. Vonovia kaufte die Siedlung schon vor einigen Jahren. Seiner Meinung nach drohe ein unwiederbringlicher Verlust der Struktur der Siedlung, wenn es zu keiner Übernahme in den Landesbesitz komme. Obwohl freiwerdende Wohnungen in der Künstlerkolonie zuerst der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger zur Vermietung angeboten werden müssen, könnten sich diese freischaffenden Künstler:innen die Mietpreise der Vonovia garnicht mehr leisten. Durch einen Rückkauf der 690 Künstlerkolonie-Wohnungen hofft das Bezirksamt, dass dieser Missstand behoben würde.

Durch die zuziehenden Künstler:innen wären einerseits gemeinsame Projekte denkbar, die den Bezirk kulturpolitisch langfristig aufwerten, andererseits würde an die historische Bedeutung der Siedlung, insbesondere als Widerstandsort gegen den Nationalsozialismus gedacht werden. Auch als Touristenmagnet könnte die Künstlerkolonie im südlichen Wilmersdorf dienen: Berlin-Besucher:innen würden an dem Ort an ehemals dort ansässige, bedeutende Künstler:innen aufmerksam gemacht werden.

Nach dem Scheitern des Mietendeckels hätte der Erwerb der Wohnungen „eine dämpfende Wirkung und damit insgesamt eine weit über die 690 Wohnungen hinausgehende wohnungspolitische Bedeutung für die Stadt“, so Schruoffeneger. Für ihn gelten die obigen Argumente unverändert: „In den vergangenen Jahren gab es kaum einen Zuwachs an landeseigenen Wohnungen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Wegen der hohen Grundstückspreise können die städtischen Wohnungsbaugesellschaften weder den Neubau, noch den Erwerb von Wohnungen in unserem Bezirk wirtschaftlich leisten. Günstige (landeseigene) Wohnungen sind aber auch bei uns im Bezirk unabdingbar, um eine gute Mischung zu bewahren und auch den weniger gutverdienenden Menschen das Wohnen im Bezirk zu ermöglichen. Die jetzige Debatte bietet eine große Chance und muss dafür genutzt werden.“

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