Namen & Neues

Neubau der A100-Westendbrücke

Veröffentlicht am 04.06.2021 von Sophie Rosenfeld

In einer Infoveranstaltung berichtete die staatliche Planungsgesellschaft Deges von der Autobahn GmbH über den Neubau der Westendbrücke. Die Deges kümmert sich von Berlin bis Bodensee um den Aus- und Neubau von bundesweit 2.900 Kilometern Bundesfernstraße. Mit der Fertigstellung des Ersatzneubaus in Berlin-Westend ist frühestens 2026 zu rechnen. Die Trasse erstreckt sich momentan über 243 Meter entlang der Stadtautobahn A 100 zwischen den Anschlussstellen Kaiserdamm und Spandauer Damm und wurde 1963 erbaut. Als vielbefahrener Verkehrsknotenpunkt hat sie mit 58 Jahren ihre wortwörtliche Haltbarkeit erreicht – bei einer Belastung von 180.000 Fahrzeugen in je 24 Stunden. Anfang kommenden Jahres plant die Deges die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren des Ersatzneubaus der Westendbrücke einzureichen.

Der Anfang des Westendbrücken-Projekts ist datiert auf das Jahr 2015. Damals wurden erste verkehrseinschränkende Maßnahmen getroffen, die sich auf das Fahrverbot für Schwertransporte, die Fahrstreifeneinziehung, eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h und einen Lkw-Mindestabstand belaufen. Im darauffolgenden Jahr wurde eine Machbarkeitsstudie für den Ersatzneubau erstellt. Ab 2017 bot der Einbau einer Stahlkonstruktion inklusive Einrichtung von Dauermesseinrichtungen für erhöhte Sicherheit auf der Brücke. Seit Ende 2019 wird an den Bau-Entwürfen gearbeitet, die frühestens 2024 in ersten Bauarbeiten münden.

Wenn die Brücke neu gebaut wird, hat das auch Auswirkungen auf die Stadtautobahn A 100. Projektleiter Wolfgang Pilz betont, dass Deges beim Neubau die verkehrliche Leistungsfähigkeit auf der Autobahn – und damit auch die regelmäßig vorhandene Dreispurigkeit – über weite Strecken der Bauphase erhalten möchte. Dafür wird die Fahrtrasse in Fahrtrichtung Süd/Autobahndreieck ein wenig verdrückt. Ziel des Ersatzneubaus ist es, das überlastete Bestandsbauwerk durch eine leistungsfähige Brücke nach modernen Standards zu ersetzen. Damit einher geht eine verbesserte Verkehrssicherheit, sowie ein besserer Verkehrsfluss. Der Brückenbau sichert außerdem die Funktions- und Leistungsfähigkeit eines zentralen Abschnittes der A 100.

Randbedingungen, die bei dem Bauwerk mitbeachtet werden, sind unter anderem die verdichtete Besiedlung in den Wohngebieten sowie der anliegende Friedhof der Luisen Gemeinde und die unterführten Bahnlinien, um den öffentlichen Personennahverkehr nicht zu hindern. Die Deges beginnt 2024 mit Vorarbeiten im Bereich der Bahn. Dort entsprechende Leitungen werden unter anderem für die neuen Gründungskörper verlegt. Die eigentlichen Hauptbauleistungen im Bereich des Brückenbauwerks beginnen voraussichtlich Mitte 2024 – Vorausgesetzt, das Planfeststellungsverfahren läuft nach den Einschätzungen der Deges ab.

Die erste Bauphase „Anpassung der Verkehrsführung, Umbau der Stützbauwerke und Erstellung der Pfeiler im Gleisbereich“ ist eher technisch geprägt. Damit die verkehrliche Leistungsfähigkeit in Fahrtrichtung Nord erhalten bleibt, wird die Fahrttrasse in Fahrtrichtung Funkturm ein wenig Richtung Osten „verdrücken“. Die Autobahn wird, beginnend in Höhe der Wohnanlage am Lerschpfad mit der jetzigen Auffahrtsrampe auf die Autobahn in Fahrtrichtung Süd und in einem Teilbereich des Friedhofs verlegt.

Die Bauwerksbezeichnungen der zweiten Bauphase „Verschwenkung der Richtungsfahrbahn Süd, Neubau der Westendbrücke und der Stützbauwerke 27 und 31“ bezeichnen dabei die eigentliche Erstellung des Brückenbauwerks. Der etwas südlicher liegende Brückenneubau steht dann auf einer Stützkonstruktion mit drei Pfeilern, satt sieben. In der dritten Bauphase wird die bestehende Westendbrücke außer Betrieb genommen und zurückgebaut. Außerdem werden Anpassungsarbeiten der Rampe am Kaiserdamm sowie der Rampenausfahrt im Bereich des Spandauer Damms durchgeführt. Die letzte Bauphase dient Restarbeiten für zum Beispiel den Abbau von übergebliebenen Brückenresten oder Rampenauffahrt-Korrekturen im Bereich des Kaiserdamms.

Wie sieht das mit dem Lärmschutz aus? Deges-Mitarbeiter Urs Reichert bezieht sich auf das 16. Bundes-Immissionsschutzgesetz: Bei einem Neubau besteht grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf Lärmschutz. Das Wort „Neubau“ mag es zwar suggerieren, bei der Westendbrücke handelt es sich allerdings um keinen „richtigen“ Neubau, sondern einen Neubau eines bereits bestehenden Bauwerks, bei dem auch kein neuer Verkehrsweg dazukommt. Die entstehenden Lärmpegeländerungen sind für das menschliche Gehör kaum wahrnehmbar (kleiner als 1dB, max. 1,4 dB). Betroffene Gebäude werden dennoch einen Anspruch auf passiven Schallschutz haben und deswegen aufgerüstet. Ein besserer Straßenbelag soll zusätzlich für deutliche Pegelminderung sorgen. Weitere Informationen zu dem Projekt und einen Flyer zum Downloaden finden Sie hier.

  • Über einen anderen Autobahnabschnitt berichtet Leute-Autor Boris Buchholz in seinem Newsletter aus Steglitz-Zehlendorf: Der Architektenverein AIV fordert den Rückbau des gesamten Autobahnzweigs der A 104 – vom Steglitzer Bierpinsel bis zur Auffahrt Berliner Straße / Hohenzollerndamm. Statt drei Kilometer Autobahn könnten dort bis zu 6500 Wohnungen entstehen. Den Tagesspiegel-Plus-Artikel finden Sie unter diesem Link.

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