Namen & Neues

Geschlossene Hostels könnten Unterkünfte für Wohnungslose werden

Veröffentlicht am 16.07.2021 von Cay Dobberke

Bei der Unterbringung von Obdachlosen und geflüchteten Menschen möchte der Charlottenburg-Wilmersdorfer Sozialstadtrat Detlef Wagner (CDU) neue Wege gehen, um „die Qualität zu sichern und Abzocke zu vermeiden“. Bisher verlangen einige Vermieter von den Bezirksämtern horrende Preise. Noch dazu sind manche Räume in Berlin kleine Bruchbuden mit Insektenbefall – auch wenn eine Überprüfung in der City West laut Wagner ergab, dass es solche Fälle hier wohl nicht gibt. Der Stadtrat prüft derzeit, ob geschlossene Hostels gekauft werden können, um Wohnungslose einzuquartieren.

Die Coronakrise hat manche Betriebe in die Pleite geführt. Frei nach dem Motto „Des einen Freud, des anderen Leid“ denke er an eine neue Nutzung, sagt der Stadtrat. Dem Bezirksamt seien leer stehende Hostels bekannt, die „zu ortsüblichen Preisen“ auf dem Immobilienmarkt angeboten würden. Auf längere Sicht könne sich der Erwerb „natürlich rechnen“. Andererseits müssten für Ankäufe in guten Innenstadtlagen „gleich zweistellige Millionenbeträge“ aufgebracht werden. Das sei nur mit Hilfe der Landesregierung machbar.

Deshalb will sich Wagner an die zuständigen Senatsverwaltungen wenden. Außerdem müsste das Abgeordnetenhaus zustimmen. Nach Kenntnis des Stadtrats erwägen auch die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte den Kauf von Hostels.

Geflüchtete Menschen bilden laut Wagner „das Gros“ der Wohnungslosen, für die Quartiere benötigt werden. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) kümmert sich vorrangig um die Erstaufnahme. Erhält jemand eine Duldung oder wird als Asylbewerber:in anerkannt, geht die Zuständigkeit auf die Bezirke über. „Zum Glück“ sehe die Verwaltung von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) dies nicht so eng und sorge oft noch nach dem „Statuswandel“ für die Unterbringung, sagt der Stadtrat.

Auch über die Anmietung von Wohnungen hat er nachgedacht. Rein finanziell könne sich das ebenfalls lohnen. Der offiziell angestrebte Höchstsatz von 17,20 Euro pro Person und Übernachtung werde nirgends eingehalten. Charlottenburg-Wilmersdorf zahle häufig mehr als 30 Euro. Damit könne man theoretisch „Edel-Appartements“ für Wohngemeinschaften mieten. Das widerspräche jedoch Richtlinien und wäre gesellschaftspolitisch nicht vermittelbar, betont Wagner.

Darüber hinaus ist Charlottenburg-Wilmersdorf ein Pilotbezirk für die „Gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung“. Mit diesem Projekt will die Senatssozialverwaltung die Anbieter von Unterkünften zu einheitlichen Qualitätsstandards verpflichten. Eine Software soll freie Plätze und die Ausstattung der Räume bezirksübergreifend auflisten.

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