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CDU will Tunnel am Bundesplatz verlängern – aber die dortige Bürgerinitiative protestiert

Veröffentlicht am 27.08.2021 von Cay Dobberke

Seit elf Jahren kämpft die Initiative Bundesplatz gegen den dortigen Autotunnel, der den Platz verschandele und in der Mitte zerschneide. Im August 2020 stimmte auch die rot-grün-rote Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV)  auf Antrag der SPD für ein Pilotprojekt zum „Rückbau der autogerechten Stadt“. Eine ganz andere Lösung schlägt nun die CDU Charlottenburg-Wilmersdorf vor: Der Tunnel solle verlängert und komplett gedeckelt werden.

Diese Idee sei ihm nach einem Gespräch mit der Bürgerinitiative gekommen, die allerdings weiterhin die Tunnelschließung fordere, sagt der CDU-Abgeordnetenhauskandidat Peer Mock-Stümer. Der Kreisverband seiner Partei habe das Thema in das kommunale Wahlprogramm aufgenommen. Außerdem will sich Mock-Stümer im Landesparlament für die alternative Vision einsetzen, falls er das Mandat gewinnt.

Es geht um einen „Lückenschluss“ zum weiter nördlich gelegenen Tunnel in der Bundesallee, der im Bereich zwischen der Badenschen und der Berliner Straße verläuft. Mit einer Deckelung würde die Bundesallee oberirdisch auf einigen hundert Metern nur noch zweispurig sein, während der Verkehr aus und nach Schöneberg unterirdisch fließe, sagt Mock-Stümer.

Die CDU verspricht sich eine „Lärmberuhigung des Bundesplatzes“, ein Ende der „künstlichen Durchtrennung“ des Volksparks Wilmersdorf und die Chance auf eine stärkere Begrünung der Bundesallee. Die Fahrbahn, die Gehwege, die Radwege und die Parkstreifen könnten „großzügig getrennt“ werden. Die Verkehrskapazität bleibe gesichert. Was das Projekt kosten könnte, scheint noch unklar.

Die Initiative Bundesplatz hält nichts davon und wundert sich. Im Mai habe man sich mit Peer Mock-Stümer getroffen und ausgetauscht. Dabei „entstand der Eindruck, dass sich die CDU den Zielen der Initiative und auch dem BVV-Beschluss zur Schließung des Tunnels annähert“, sagte uns die Vorsitzende Birgitta Berhorst im Namen des Vereinsvorstands.

Sie weist auch darauf hin, dass auf Mock-Stümers Webseite noch immer steht: „Die Verkehrreliquien wie der Tunnel am Bundesplatz sollen endlich der Vergangenheit angehören.“

Zur Umgestaltung des Bundesplatzes und der Bundesallee hatte die Initiative vor ein paar Jahren eine „Zukunftswerkstatt“ veranstaltet. Dabei sei „auch der vom CDU-Kandidaten jetzt wieder aufgegriffene Vorschlag diskutiert und einhellig verworfen“ worden, sagt Birgitta Berhorst. Die „Insellösung für eine Teilstrecke“ ändere beispielsweise nichts an der „desolaten Situation insbesondere am südlichen Tunnelmund in Friedenau“. Die Kieze würden hauptsächlich durch die Ein- und Ausfahrten zerschnitten.

Außerdem setze die CDU „das Denken aus der Vergangenheit“ für eine „autogerechte Stadt“ fort, kritisiert Berhorst. „Eine Chance auf Umsetzung besteht allein aus Kostengründen nicht.“ Anscheinend handele es sich um ein „reines Wahlkampfmanöver“.