Namen & Neues

Kant-Garagen werden zum neuen "Stilwerk"

Veröffentlicht am 10.12.2021 von Cay Dobberke

Das Designcenter Stilwerk kehrt überraschend in die Kantstraße zurück. Die Neueröffnung ist im zweiten Quartal 2022 in den denkmalgeschützten Kant-Garagen geplant  – nur ein paar hundert Meter vom früheren Standort an der Ecke Uhlandstraße entfernt. 1999 hatte die Stilwerk-Gruppe dort ihre Berliner Niederlassung mit vielen Einrichtungsläden eröffnet. Aber in diesem Jahr kündigte der Vermieter den Vertrag und übernahm die Leitung selbst. Im Mai wurde der Name in „Living Berlin“ geändert.

Die Kant-Garagen gehören der Berliner Unternehmerfamilie Gädeke. Noch läuft eine Modernisierung nach Plänen der Architektin Johanne Nalbach. Die denkmalgerecht sanierte Fassade ist schon zu sehen, die Baugerüste wurden entfernt (Foto hier). Stilwerk will 9500 Quadratmeter Fläche in allen Etagen nutzen. Zusätzlich übernimmt das Unternehmen ein Boutique-Hotel der Kategorie Drei Sterne plus, das die Eigentümer derzeit nebenan bauen lassen.

Das neue Stilwerk wird sich stark vom alten unterscheiden. Vermieter Dirk Gädeke sagt, es sei kein typischer Einzelhandel mehr geplant. Vielmehr werde alles „wie eine große Möbelausstellung“ mit Showrooms, Architekturbüros und Veranstaltungsräumen wirken. Es gehe um Beratung und Markenpräsentationen, nicht aber um Direktverkäufe an die Kundschaft.

Im Erdgeschoss ist Gastronomie geplant, es soll einer Markthalle ähneln. Im Keller entsteht eine Tiefgarage mit 27 Plätzen. Das Hotel mit 61 Zimmern spielt laut Gädeke eine besondere Rolle. Es soll mit Möbeln und anderen Dingen eingerichtet werden, deren Hersteller auch im Stilwerk vertreten sind, um Gäste für deren Angebote zu begeistern.

Die sechste Etage der Kant-Garagen ist für Kunstausstellungen vorgesehen. Das zusätzliche neue Penthouse, das Dirk Gädeke ursprünglich für sich und seine Frau bauen ließ, soll jeweils für einige Wochen bis Monate an wechselnde Interessierte vermietet und ebenfalls mit Interieur von Stilwerk-Partnern ausgestattet werden.

Stilwerk sei „der ideale Mieter“, findet Gädeke. Firmenchef Alexander Garbe wolle das Denkmal „würdigen“. Unter anderem soll eine eine temporäre Ausstellung an die Geschichte und ursprüngliche Nutzung der Hochgarage erinnern.

Gescheitert ist die Idee eines Zentrums für „Neue Mobilität“. Vor dem Vertragsschluss mit Stilwerk wollte Gädeke innovative junge Unternehmen aus dem Bereich der Verkehrswirtschaft ansiedeln. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bau- und Verkehrsstadrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) unterstützte ihn dabei. Man hätte aber einen größeren Hauptmieter gebraucht, den „wir nicht gefunden haben“, sagt Gädeke.

Zuletzt hatte er seine Pläne geändert. Noch im Sommer dieses Jahres war eine Nutzung durch Start-Up-Firmen verschiedener Art sowie Architektur- und Ingenieurbüros und Galerien im Gespräch (wir berichteten).

Das einstige Parkhaus war nach Entwürfen des Architekten Hermann Zweigenthal gebaut worden und hatte im Jahr 1930 unter dem Namen „Kantgaragenpalast“ eröffnet. Berühmtheit erlangten die Rampen in Form einer Doppelhelix. Dies war in der Entstehungszeit neu und führte dazu, dass sich hinauf- und herabfahrende Autos nicht begegnen.

Später gehörte das Baudenkmal lange dem Unternehmer Christian Pepper, der vor allem als Eigentümer des Europa-Centers am Breitscheidplatz bekannt ist. Er ließ die Kant-Garagen zuletzt verfallen und beantragte sogar den Abriss. Das Bezirksamt verweigerte aber die Erlaubnis. Architekturfreunde gründeten eine Rettungsinitiative. Gädeke erwarb die Immobilie im Januar 2016. Im Herbst 2018 genehmigte das Bezirksamt die Umbauten.

Nach deren Fertigstellung sollte das Gebäude eigentlich wieder „Kantgaragenpalast“ heißen. Stattdessen wird an der Fassade aber natürlich „Stilwerk“ stehen. Die historische Bezeichnung dürften also weiterhin fast nur Architekturinteressierte kennen.