Namen & Neues
Wie die Straßen um den Breitscheidplatz sicherer werden könnten
Veröffentlicht am 10.06.2022 von Cay Dobberke
Nach der tödlichen Amokfahrt nahe dem Breitscheidplatz wird die jahrelange Diskussion über Schutzmaßnahmen gegen Anschläge im Herzen der City West noch relevanter. So fordert die SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf eine „dauerhafte und stadtverträgliche Absicherung“ des Platzes, aber auch umliegender Straßen. Das Gebiet müsse „als Ganzes gedacht werden“. Auf dem Kurfürstendamm sei eine Verkehrsberuhigung durch „eine Tempo-Reduzierung, bauliche Veränderungen und eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums“ möglich. Man könne den motorisierten Verkehr dort auf BVG-Busse, Taxis, Lieferwagen und Rettungsfahrzeuge beschränken.
Solche Vorschläge gibt es seit Jahren, ursprünglich stammten sie von den Grünen. Damals ging es noch nicht um den Schutz vor Anschlägen, sondern um die allgemeine Verkehrssicherheit und den Klimaschutz durch weniger Autoverkehr. Jetzt müssten Konzepte für den Breitscheidplatz und die Umgebung „sofort umgesetzt werden“, forderte Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) am Freitag.
Skeptischer sieht der Vorsitzende der FDP-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf, Felix Recke-Friedrich, den Vorstoß der SPD: „Für verkehrspolitische Überlegungen ist es noch deutlich zu früh, wenn diese überhaupt angemessen sind, da diese nicht geeignet sind, Sicherheitsfragen zu lösen.“ Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) äußerte sich ähnlich: „Die Konzepte zum Umbau des Tauentzien, die jetzt aus der Schublade geholt wurden, hätten die Amokfahrt nicht verhindern können.“
Für den Breitscheidplatz selbst hat Ordnungs- und Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) mögliche neue Sicherheitsmaßnahmen erarbeiten lassen. Er wartet allerdings noch auf die Zustimmung der Senatsverkehrsverwaltung.
Mit den massiven Lkw-Sperren, die nach dem Terroranschlag im Dezember 2016 auf dem Platz installiert wurden, ist niemand zufrieden.

Stattdessen soll die südliche Fahrbahn der Budapester Straße im Abschnitt zwischen dem Hotel Waldorf Astoria und dem Einkaufszentrum „Bikini Berlin“ entfallen. Der Mittelstreifen werde mit Pollern oder auf andere Weise zur Barriere verstärkt, sagt Schruoffeneger. Zwei Fahrstreifen würden „dem Platz zugeschlagen“. Für den Kfz-Verkehr bleibe je eine Spur pro Richtung übrig.
Am Kurfürstendamm ist geplant, eine Lücke im Mittelstreifen zu schließen. Autos in der Rankestraße sollen nur noch nach rechts in die Tauentzienstraße abbiegen können. Damit würde verhindert, dass jemand geradeaus in Richtung Breitscheidplatz rasen kann.
Der damalige Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte im Sommer 2020 eine ganz andere Idee präsentiert. Eine Skulptur mit einem „Berlin“-Schriftzug sollte den Breitscheidplatz an der Ecke zur Kant- und Budapester Straße schützen. Drei Meter hohe Metallbuchstaben hätten auf einem 16 Meter breiten Betonsockel gestanden.
Doch es hagelte Proteste. Das Landesdenkmalamt nannte die Idee „nicht zustimmungsfähig“. Die Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und Pfarrer Martin Germer kritisierten, der „banale“ und „monumentale“ Schriftzug behindere den Blick auf die denkmalgeschützten Kirchenbauten. Stadtrat Schruoffeneger fand den Entwurf provinziell. Schließlich gab Senator Geisel entnervt auf. Die Innenverwaltung zog sich aus der Planung zurück.