Namen & Neues
Grün-rote Mehrheit gegen Hochhausprojekt am Rathenauplatz
Veröffentlicht am 17.06.2022 von Cay Dobberke
An der Stelle der bisherigen Esso-Tankstelle am Rathenauplatz – am westlichen Ende des Kurfürstendamms neben der Zufahrt zur Stadtautobahn – plant die Berliner „Spree Group“ einen 59 Meter hohen Büroturm. Wir berichteten darüber im Frühjahr 2021. Es gab ein sogenanntes Werkstattverfahren. Anschließend hatte auch das Berliner Baukollegium, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung berät, keine Einwände mehr. Trotzdem ist der Investor jetzt beim Bezirk abgeblitzt.
Das liegt in erster Linie an Kritik aus der Zählgemeinschaft der Grünen und der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung. Beide Fraktionen wollen kein reines Geschäftshaus und stören sich außerdem an der Höhe. Das zeigte die jüngste Sitzung des BVV-Stadtentwicklungsausschusses.
Vertreter:innen der Spree Group verließen die Sitzung enttäuscht und ratlos. Wie es weitergehe, wisse man noch nicht, sagte die Leiterin der Entwicklungsabteilung, die Architektin Jasmin Arjang, dem Tagesspiegel. Klar sei nur, dass der Pachtvertrag der Tankstelle nicht verlängert werde.
Die Entwürfe stammten vom Architekten Max Dudler. Eine seiner Simulationen finden Sie unter diesem Link. Neben Büros plante er ein Café mit Außengastronomie, Läden und Veranstaltungsräume. Nachdem die Grünen und die SPD auch einen Wohnanteil gefordert hatten, entwickelte Dudlers Büro ein „Mischkonzept“ mit bis zu 60 Wohnungen. Das genügte den beiden Fraktionen aber nicht.
Redner der CDU und der FDP betonten dagegen, wegen des starken Verkehrslärms komme Wohnungsbau am Rathenauplatz gar nicht infrage. Außerdem müsse „Politik verlässlich sein“, sagte der FDP-Stadtentwicklungspolitiker Johannes Heyne. Es sei kein guter Stil, ein Projekt nach jahrelangen Planungsverfahren abzulehnen.
Fortschritte gibt es bei einem sehr viel kleineren Bauvorhaben am Rande des Rathenauplatzes. In der Hubertusallee 10 stand eine schöne alte Villa lange leer.

Jetzt verkündet ein Bauschild den Umbau. Wie der Tagesspiegel erfuhr, hat die Spree Group auch dieses Haus erworben. Laut Jasmin Arjang sind bis 2023 sieben Wohnungen und ein Ladengeschäft geplant. Warum der vorherige Eigentümer die Villa entmietet hatte, weiß sie nicht.