Namen & Neues

Im Unternehmerinnenzentrum hängt der Haussegen schief

Veröffentlicht am 08.07.2022 von Cay Dobberke

Seit fast 20 Jahren gibt es das Unternehmerinnen Centrum West (UCW) in einem bezirkseigenen Gebäude an der Sigmaringer Straße / Ecke Brandenburgische Straße in Wilmersdorf. Ursprünglich war es speziell für Gründerinnen gedacht. Viele von diesen blieben aber auch nach der Start-Up-Phase im Haus, was nun zu Streit führt.

Das Bezirksamt lässt alle Verträge mit den derzeit 32 Einzelunternehmerinnen und sieben Vereinen zum Jahresende auslaufen. Dem Vernehmen nach wurde mehreren Vereinen signalisiert, dass sie einen neuen Vertrag erhalten. Einige Unternehmerinnen sollen dagegen ausziehen, um Platz für neue Gründerinnen zu schaffen.

Dass die Rückkehr zum „eigentlichen Zweck für dieses Hauses“ auch eine Verdrängung bedeutet, erwähnte das Bezirksamt in einer Pressemitteilung zunächst nicht. Bürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) und die für bezirkseigene Liegenschaften zuständige Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) teilten mit, der Bezirk investiere 2,5 Millionen Euro, um „noch mehr Frauen als bisher zu fördern und zu beraten“. Im Januar 2023 soll eine Gebäudesanierung beginnen.

Bis zum September „wollen wir neue Förderkriterien für die künftige Vergabe und ein neues Nutzungskonzept erarbeiten“, antworteten Bauch und Schmitt-Schmelz auf Nachfragen des Tagesspiegels. Beispielsweise könne ein „Co-Working-Space“ mehr Frauen als bisher die Möglichkeit geben, „temporär Büroraum für ihre Unternehmensgründung zu nutzen“. Mit „den meisten Vereinen und Initiativen“, die das UCW schon nutzen, „wollen wir auch künftig zusammenarbeiten“. Das benachbarte Atelierhaus einiger Künstler:innen bleibe unberührt.

„Ungeheuerlich“ nennt es die Berliner SPD-Abgeordnete Franziska Becker, dass die UCW-Nutzerinnen erst aus der Presseerklärung von den Plänen erfahren hätten. Becker leitet den Förderverein des Zentrums und gehört einem Beirat an. Bei den Frauen, die ihre Räume aufgeben sollen, handele sich „in einer großen Vielzahl um Solo-Selbständige, die nach einer schweren pandemiebedingten Wirtschaftslage nunmehr in ihrer Existenz bedroht sind“.

An einer Neukonzeption des UCW hätten der Förderverein und ein Teil der Unternehmerinnen seit einiger Zeit selbst „gemeinsam mit der bezirklichen Gleichstellungsbeauftragten gearbeitet“, betont Becker. Auch in der BVV sei darüber diskutiert worden. Ohne Rücksicht darauf habe das Bezirksamt nun „Fakten geschaffen und an die Öffentlichkeit getragen“.

Ähnliche Kritik enthält ein Schreiben der „Gemeinschaft der Unternehmerinnen im UCW“ an alle BVV-Fraktionen. „Mit der intransparenten Kündigung widersprechen die Verantwortlichen im Bezirksamt den frauen- und wirtschaftspolitischen Zielen“, für die sich ihre eigenen Parteien lange eingesetzt hätten, heißt es. Die „Wirtschaftskraft von gut vernetzten und engagierten Frauen“ sei bedroht. „Für keine von uns wäre es zu diesem Zeitpunkt, kurz nach Corona, möglich, am freien Markt innerhalb weniger Monate einen vergleichbaren bezahlbaren Büroraum zu finden.“