Namen & Neues

Wer zahlt für Asbest-Gutachten? Stadtrat kritisiert die Bauaufsicht

Veröffentlicht am 02.02.2024 von Cay Dobberke

Es kommt nicht oft vor, dass ein Bezirksamtsmitglied öffentlich mit der Charlottenburg-Wilmersdorfer Verwaltung hadert. Aber Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) hielt dies für nötig, als er in der jüngsten BVV-Sitzung über den Umgang mit Asbest in Wohnungen an der Schlangenbader Straße berichtete. Im Spätsommer 2023 hatte die landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo rund 1200 Mieterinnen und Mieter über Asbestfunde in der Autobahn-Überbauung informiert. Zu Schruoffenegers Verdruss sieht sich die Bauaufsicht jedoch nicht in der Lage, die Schadstoffbelastung zu überprüfen.

Als derzeitiger Vertreter von Baustadtrat Christoph Brzezinski (CDU) beantwortete er Fragen der bezirklichen Linksfraktion (hier im Video auf YouTube ab der 56. Minute). Schruoffeneger zitierte eine Stellungnahme der Bauaufsicht, wonach diese über „kein spezifisches Fachwissen“ verfügt und eigene Untersuchungen auch mangels „Messgeräten und Schutzausrüstung“ ablehnt.

Vor allem ärgerte sich Schruoffeneger über die Behauptung, es sei nicht möglich, externe Gutachten zu veranlassen. Als früherer Baustadtrat „kenne ich viele Gutachten, die in Auftrag gegeben wurden“. Nach Darstellung der Bauaufsicht müssten besorgte Mieterinnen und Mieter finanziell „in Vorleistung gehen“ und Sachverständige bezahlen. Eine Rückererstattung durch die Degewo sei nur möglich, wenn tatsächlich Asbest entdeckt werde. In der BVV kündigte Schruoffeneger an, darüber verwaltungsintern „noch einmal intensiv zu diskutieren“.

Die Degewo will das Asbestproblem im Rahmen der ohnehin geplanten Gebäudesanierung lösen. Laut Unternehmenssprecher Stefan Weidelich beginnt diese allerdings erst im Mai 2025 mit „bauvorbereitenden Maßnahmen“ in einem „Pilotsegment“ des Gebäudekomplexes. Bei Mieterwechseln würden Schadstoffe „bereits seit Jahren“ beseitigt und beispielsweise Floor-Flex-Platten im Fußboden entfernt.

Zusätzlich biete die Degewo der Mieterschaft an, „potenziell schadstofffreisetzende Tätigkeiten“ wie das „Bohren von Löchern für Bilder“ einer Fachfirma zu überlassen. Im vergangenen Jahr hatte ein Rundschreiben die Ängste geschürt. Es enthielt den Rat, auf „Bohren, Schleifen oder andere staubfreisetzende Arbeiten“ zu verzichten.